Jeroen van Rooijen geht zum zweiten Mal

NZZ - Der Stil- und Modeexperte Jeroen van Rooijen verlässt die «NZZ am Sonntag». Vielleicht werde er Influencer. «On verra. Ich bin offen, und das fühlt sich gut an», sagt er.

von Edith Hollenstein

«Ich gehe nun also im Frieden», schreibt Jeroen van Rooijen auf seinem Blog. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Arbeitgeberin NZZ sei in den ganzen 15 Jahren nicht nur ungetrübt gewesen, vor allem wegen den Vorgängen um den «Gentlemen’s Report». Das hatte ihn im Sommer 2013 schon einmal veranlasst, die Kündigung einzureichen (persoenlich.com berichtete). 

Nun aber scheint es definitiv. Er habe Lust auf einen echten Wechsel, nicht nur auf eine verminderte Bezahlung als freier Autor. Zudem habe er «immer gesagt», dass diese Redaktion jünger und weiblicher werden müsse. «Also muss ich als Herr mittleren Alters richtigerweise selber meinen Platz anbieten ...», so der 47-Jährige auf Anfrage von persoenlich.com.

Spass am Onlinejournalismus

Dabei gehe er im Guten aus dem Unternehmen, «das durch sehr schwierige Zeiten geht», so van Rooijen. Er werde das Blatt per Ende Juni verlassen und sich nach 25 Jahren dem Printjournalismus abwenden. Zuletzt habe er dort in einem 80-Prozent-Pensum gearbeitet, sagt van Rooijen.

Stilexperte Van Rooijen hatte neben journalistischen Texten immer wieder eigene Projekte realisiert, auch im Bereich Content Marketing wie 2014 für «Ecoist» von BMW (persoenlich.com berichtete). Solche Werbe-Engagements hätten ihn «auch ein Stück weit beweglich gehalten». Er sei anders als viele Kollegen im mittleren Alter, nicht «einer von jener Sorte geworden, der den Niedergang der Medien beklagt, sondern er finde, dass es zwar härter, aber auch vielseitiger und spannender geworden» sei. Dass Journalisten selber Marken sein müssten, habe ihm sehr entsprochen. Auch habe er «grossen Spass an Onlinearbeit», die schneller und selbstbestimmter sei als «das printdominierte Mediengewerbe», in das er ursprünglich eingestiegen sei.

Concept Store als neues Projekt

Bei der NZZ baute er das Stilressort auf, lancierte die Luxusbeilage Z und schrieb jahrelang Stilkolumnen, die auch in Buchform erschienen. Von 2010 bis 2014 war van Rooijen ausserdem wöchentlich als Stilfachmann auf Radio SRF3 zu hören. Seit 2016 schreibt er für das Lifestyle-Portal NZZ-Bellevue und das Lifestyle-Ressort der «NZZ am Sonntag». 

Nun will er zusammen mit seiner Frau den vor zweieinhalb Jahren in Zürich eröffneten Concept Store «Cabinet» weiterentwickeln. Und er hofft auf weitere Content-Projekte, Kolumnen oder Mandate, wie er auf seinem Blog schreibt. Diese würden aber wohl eher im Online- und Corporate-Publishing liegen als im Bereich der traditionellen Printmedien. «Vielleicht werde ich ja Influencer? Kleiner Scherz. On verra! Ich bin offen, und das fühlt sich gut an».