"Journalismus braucht Knastbrüder"

Frank A. Meyer - Kritik an der "geschlossenen Gesellschaft".

Frank A. Meyer kritisiert in einem Text für den Ringier Jahresbericht die Journalisten. Die MittellandZeitung (MZ) hat diesen nun veröffentlicht. Die Jounalisten bestimmten die Wirklichkeit. Sie hätten Macht, so Meyer. Gleich darauf stellt er aber die Frage, ob die Journalisten dieser Rolle gerecht werden können. Die globalisierten Journalisten müssen in den Augen Meyers neugieriger denn je sein. Doch sie hätten verlernt, dass der Journalistenberuf ein Laufberuf sein sollte. "Die Globalisierung der Medien hat uns zu Stubenhockern gemacht", so Meyer.

Die Nachrichten enstünden durch Nachrichten, die schon vorformuliert seien, bevor der Journalist seinen eigenen Bericht bastle. "Die Kaste der Journalisten lebt vom 'Copy' und 'Paste'", resümiert Meyer. Es sei einfach geworden, negativ über einen Menschen zu schreiben, da die Distanz grösser geworden sei. Die Journalisten empfindet Meyer als geschlossene Gesellschaft.

Die grösste Bedrohung der Medienfreiheit bestehe heute in der Selbstvernetzung der Journalisten. Als Grund dafür sieht Meyer die immer ähnlichere Herkunft der Schreiberlinge: Die meisten kommen von der Universität. Der Journalismus brauche universitär gebildete Menschen, doch er brauche auch "schreibtalentierte junge Handwerker, kaufmännische Angestellte, junge Menschen ohne Berufsabschluss, es fehlen gebrochene Lebensläufe, gescheiterte Künstler, erfolglose Dichter, Weltenbummler, Abenteurer, sogar Knastbrüder", so Meyer.