Journalisten bemängeln Arbeit von Pressestellen

Umfrage - Redaktionen fühlen sich oft als ungebetene Bittsteller.

Viele Firmenpressestellen stehen mit ihrer "Kundschaft", den Journalisten, auf Kriegsfuss. Das zeigt eine Umfrage der Kommunikationsberater Wiegand & Wiegand Media Services, Hamburg. Die Onlinebefragung von 291 Redaktionsmitarbeitern aller Mediensparten ergab, dass Pressearbeit deutscher Unternehmen halten. Hauptkritik: Firmensprecher hätten "keine Ahnung von Medienbedürfnissen", reagierten bei Medienanfragen grundsätzlich misstrauisch und "mauerten" bei Krisen.

"Pressestellen und Journalisten sind vielfach wie Wasser und Feuer," kommentiert der Journalist und Mediencoach Wolf Achim Wiegand die Ergebnisse seiner Studie. "Nicht wenige Journalisten sehen Öffentlichkeitsarbeiter - ob zu Recht oder zu Unrecht - eher als Informationsverhinderer, denn als Partner." Eine Erfahrung, die Wiegand auch in seinen Coachings, Seminaren und Trainings immer wieder macht. "Manche Pressestelle verwechselt ihre Informationsaufgabe mit Werbung - und das kommt in Redaktionen gar nicht gut an."

Laut Umfrage vergibt nur jeder fünfte Journalist für die Arbeit von Unternehmenspressestellen eine Note besser als 3 ("befriedigend"). Jeder dritte punktet mit der Note 4 ("ausreichend") oder ("mangelhaft"). Ausgewertet wurden 291 Antworten von zufällig ausgewählten Journalisten (Rückläuferrate: 43 Prozent von 675 online verschickten Fragebögen).

"Wie beurteilen Sie generell die Selbstdarstellung der Wirtschaft gegenüber den Medien?" So lautete einer der insgesamt sieben Fragen. Nur wenige Antworten lauteten "sehr gut" (ein Prozent) oder "gut" (acht Prozent). Die meisten Journalisten finden die Selbstdarstellung der Wirtschaft lediglich "befriedigend". Für die Bewertung "ausreichend" entscheidet sich jeder dritte Befragte. Sieben Prozent werteten mit Note 5 ("mangelhaft"), ein Prozent straft mit einer glatten 6 ab ("ungenügend").

Typische Kritikpunkte:

- "Pressestellen produzieren zu viel belanglosen Informationsmüll".

- "Firmensprecher haben keinen Blick für journalistische Bedürfnisse".

- "Besonders mangelhaft arbeiten Pressestellen kleiner und mittlerer Unternehmen".

Viele Journalisten, so die Umfrage, haben das Gefühl, dass in Pressestellen Leute sitzen, die nicht wissen, was die Presse braucht. Auf die Frage "Was ärgert Sie an Pressestellen der Wirtschaft besonders?" lautet die häufigste Antwort: "Ahnungslosigkeit über Bedürfnisse der Medien" (25 Prozent bei Mehrfachnennungen). Hohen Ärgerfaktor haben weiterhin "das Dichtmachen" von Pressestellen in Krisensituationen (19 Prozent) sowie "zu langsame Reaktion auf Presseanfragen" (18 Prozent). Ausserdem spüren viele Journalisten ein "grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Presse" (14 Prozent) und sie sehen sich häufigem "Unverständnis für den Termindruck von Medien" ausgesetzt (zehn Prozent).

Bemerkenswert ist, was Journalisten sich von einer professionellen Pressestelle wünschen. An vorderster Stelle steht "mehr Offenheit bei Krisen", dicht gefolgt von "mehr Schnelligkeit" und "mehr generelle Informationsbereitschaft". Danach kommen "allgemein mehr Offenheit gegenüber den Medien" sowie "mehr Verständnis" für den Termindruck der Journalisten.