Journalisten weniger sensibel

Menschenrechtsverletzungen - "Mehr an Waffen als am Schicksal der betroffenen Bevölkerung interessiert".

Menschenrechtsverletzung werden von Journalisten nach Einschätzung von Medienkritikern immer weniger wahrgenommen. So lautete ein Fazit des Internationalen Medienforums im deutschen Nürnberg. Vor allem bei Kriegen interessierten sich Reporter häufig mehr für Waffen als für das Schicksal der betroffenen Bevölkerung, rügten Fachleute am Samstag. Dies habe nicht zuletzt der jüngste Krieg in Irak deutlich gemacht. Die Veranstaltung -- organisiert von der Stadt Nürnberg und den Nürnberger Nachrichten fand im Vorfeld der Verleihung des "Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises" vom Sonntag statt.

Die frühere Leiterin des Informationszentrums der Vereinten Nationen in Wien, Ingrid Lehmann, beklagte, Medien interessierten sich für internationale Konflikte häufig erst dann, wenn ein Krieg bereits unabwendbar geworden sei. Zuvor fänden schwelende Auseinandersetzungen etwa zwischen verschiedenen Volks- oder Religionsgruppen in internationalen Medien kaum Beachtung. Als Beispiel nannte Lehmann die Kriege in Jugoslawien und Ruanda. Dabei berge eine frühzeitige Beobachtung ausländischer Journalisten die Chance, Konflikte zu entschärfen.