Reporter ohne Grenzen plant die Errichtung eines Zentrums für Journalisten in der Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince. Dieses soll helfen, über die dortige Notsituation zu berichten und damit die Hilfsaktionen für die Bevölkerung zu unterstützen. Ohne ein funktionierendes Nachrichtennetzwerk sei es unmöglich, Überlebende zu finden und die dringend notwendige Hilfe zu leisten, so Reporter ohne Grenzen. Die Haitianische Presse ist jedoch vollständig dem Erdbeben zum Opfer gefallen.
Von dieser Woche an soll mit dem Aufbau des Medienzentrums begonnen werden. Die Ausrüstung mit Laptops, Mobiltelefonen und anderen notwendigen Geräten sponsert die kanadische Mediengrupe "Quebecor". Als Behausung dient ein Gebäude der kanadischen Botschaft. Weiters ist geplant, die Haitianische Medienlandschaft wieder aufzubauen. Hierzu hat Reporter ohne Grenzen bereits einen Spendenaufruf gestartet. Finanzielle und logistische Hilfe für den Wiederaufbau landeseigener Medien erhofft sich Reporter ohne Grenzen auch durch die ausländischen Nachrichtenmedien jener Länder, die in Haiti Hilfe leisten, wie Kanada, Brasilien, die USA und Frankreich.
Nach Beobachtung von Reporter ohne Grenzen (ROG) nehmen immer mehr Radiosender auf Haiti ihren Betrieb wieder auf. Der Hörfunk gehörte in dem Land bereits vor dem Erdbeben zu den wichtigsten Informationsmedien, schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung vom Freitag.
Das Team von "Radio Métropole", des führenden Radiosenders in Port-au-Prince, nahm seine Arbeit am vergangenen Montag langsam wieder auf. "Die meisten Mitarbeiter wurden bei dem Beben nicht verletzt, sind aber wie die übrige Bevölkerung davon betroffen", berichtet Gaby Saget, eine junge Reporterin des Senders, gegenüber ROG. "Radio Métropole" hatte den Sendebetrieb direkt nach dem Beben zunächst nur online aufgenommen, ebenso wie "Radio Kiskeya", ein weiterer beliebter Sender in der Hauptstadt, der vor dem Beben ungefähr 50 Stationen betrieb.
"Signal FM", "Caraïbes FM" und der lokale Ableger des öffentlich-rechtlichen französischen Senders "RFI" waren die einzigen Stationen, denen es gelang, direkt nach dem Erdbeben wieder auf Sendung zu gehen. Doch dank der Hilfe von ausländischen Technikern und Medien, darunter "Radio France", sind eine Woche nach dem Beben bereits wieder 20 Stationen in Betrieb darunter "Vision 2000", "Radio Lumière", "Radio Solidarité", "Mélodie FM", "Radio One", und "Radio Boukman", das aus Cité-Soleil sendet, dem grössten Slum der Hauptstadt.