Journalistin zeigt Strauss-Kahn an

"L'Express" - Wegen versuchter Vergewaltigung.

Gut anderthalb Monate nach der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in den USA will auch eine Französin den zurückgetretenen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen versuchter Vergewaltigung anzeigen. Die Journalistin Tristane Banon werde die Anzeige gegen ihren Landsmann am Mittwoch erstatten. Dies kündigte ihr Rechtsanwalt David Koubbi am Montag im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "L'Express" an. Die Vorwürfe waren seit längerem bekannt. Die Französin hatte heimischen Medien nach Strauss-Kahns Festnahme Mitte Mai in den USA berichtet, der frühere Finanzminister habe sie 2002 sexuell genötigt.

Zunächst habe die 31-Jährige keinen Prozess angestrebt, während die Verhandlung in den USA noch laufen, sagte Koubbi weiter. Jetzt habe man sich dazu entschieden, die Sache voranzutreiben. Sein Anklagedossier sei "extrem solide und fundiert". Das Einreichen der Anzeige habe mit den jüngsten Ereignissen in New York nichts zu tun. "Was in den USA passiert, betrifft uns nicht", sagte er. Banon hatte im Februar 2007 in einer Fernsehsendung berichtet, Strauss-Kahn habe sie fünf Jahre zuvor zu vergewaltigen versucht - den Namen des sozialistischen Politikers überlegte der Sender aber mit einem Piepton, um ihn unkenntlich zu machen. Die Autorin sagte, Strauss-Kahn sei über sie hergefallen, als sie ihn bei den Vorarbeiten zu ihrem ersten Buch getroffen habe. Der Politiker habe ihren BH aufgemacht und versucht, ihr die Jeans auszuziehen. Das Wort Vergewaltigung, das sie - gegen ihn ringend - ausgestossen habe, habe ihn "nicht sonderlich" geschreckt.

Die damals 22-Jährige hatte auf Anraten ihrer Mutter, einer Kommunalpolitikerin in Strauss-Kahns sozialistischer Partei, auf eine Anzeige gegen den Freund der Familie verzichtet. Im vergangenen Mai hatte Banon im französischen Fernsehen erklärt, heute bedauere sie den damaligen Entscheid. Aber erst nach der Anzeige in New York fühlte sie sich nach eigenen Angaben ermutigt, erneut über den Fall zu reden. Verjährt ist er nach französischem Recht nicht. Dies wäre bei versuchter Vergewaltigung erst nach zehn Jahren der Fall. Der in den USA wegen dieses Vorwurfs angeklagte Politiker wehrte sich umgehend gegen die neuen Vorwürfe aus Frankreich. Seine Anwälte erklärten, er werde Banon wegen Verleumdung verklagen. Der ehemalig Chef des IWF liess deren Vorwürfe als "erfunden" zurückweisen.

Strauss-Kahn war Mitte Mai in den USA festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, in einem Hotel in New York ein Zimmermädchen sexuell angegriffen zu haben. Diese Vorwürfe beginnen mittlerweile zu bröckeln. Ende vergangener Woche entschied ein Gericht in New York, den 62-Jährigen wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers unter Auflagen aus dem Hausarrest zu entlassen. (sda)