Jubiläumsinterview mit Lis Borner

DRS 4 - Informationssender feiert das 5-Jährige.

Vor fünf Jahren, am 5. November 2007, morgens um Punkt sechs Uhr, ging ein für die Schweiz völlig neues Angebot on air: DRS 4 News. Seither berichtet der Informationskanal von Schweizer Radio und Fernsehen rund um die Uhr über das Geschehen im In- und Ausland. Am Freitag fand zu diesem Jubiläum eine Podiumsdiskussion im Radiostudio Bern statt unter dem Motto: "Wozu brauchen wir überhaupt News?" Diese Frage stellte DRS 4 News Roger de Weck, Generaldirektor SRG SSR, Karin Frick, Leiterin Research Gottlieb Duttweiler Institut sowie Christoph Koch, Autor des Buches "Ich bin dann mal offline". persoenlich.com stellt diese und andere Fragen an Lis Borner, Chefredaktorin Radio SRF. Das Interview zum Jubiläum:

Frau Borner, hätten Sie bei der Lancierung des Senders gedacht, dass es diesen in fünf Jahren noch gibt?

Sicher hab ich das gedacht. Ich bin Optimistin. Und erst noch davon überzeugt, dass ein Nonstop-Informationsprogramm wie DRS 4 News heutzutage unbedingt ins Service public-Angebot der SRG gehört. Aber klar, die Zeit vor und nach dem Sendestart hat alle Beteiligten ganz schön viel Nerven und Kraft gekostet. Schliesslich haben wir Neuland betreten.

Mit welchen Vorgaben ist DRS 4 News damals gestartet?

Unser Ziel war klar: für unser Publikum laufend und ohne Redaktionsschluss die wichtigsten News auswählen und dazu sehr schnell und in guter Qualität erste Einordnungen liefern und Zusammenhänge herstellen. Wie wir das organisatorisch bewerkstelligen sollten, mussten wir aber Schritt für Schritt erfinden, ausprobieren, korrigieren. Da gab es viele Hochs und Tiefs, auch heute manchmal noch.

Und wie überwindet man solche Tiefs?

Um solche Situationen erfolgreich zu überstehen braucht es ein sehr engagiertes Team, das Rückschläge aushält, das von der Wichtigkeit der Sache überzeugt ist und das unverdrossen, mit viel Leidenschaft und Energie, vorwärtsdrängt. Bei DRS 4 News hatten und haben wir ein solches Team. Dafür bin ich sehr dankbar und darauf bin ich sehr stolz.

Wer hört DRS 4 News?

In erster Linie Menschen, die mehrmals am Tag wissen wollen, was in der Welt und der Schweiz Neues und Wichtiges passiert ist. Sie stehen häufig mitten im Arbeitsleben, wollen Informationen dann hören, wenn es in ihren jeweiligen Tagesplan grad passt. Speziell sind das Personen, die sich besonders für Politik und Wirtschaft interessieren. Wir stellen immer wieder fest, dass viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu unserem Stammpublikum gehören.

Gefragt ist also vor allem Kurzinformation?

Nein, besonders am Wochenende haben wir auch ein Publikum, das DRS 4 News wegen seiner längeren Angebote schätzt: Zusammenfassungen der wichtigsten Themen der Woche, die ausführlichen Gespräch über Ereignisse in Romandie und Tessin oder spezielle Talks wie "Kulturstammtisch", "Wissenschaft im Gespräch" oder "Zeitblende - Zeitgeschichte im Gespräch". Die letzten beiden haben übrigens grad kürzlich Journalisten-Preise bekommen.

Wie hat sich die Hörerschaft entwickelt?

Gut. In Anbetracht der Tatsache, dass DRS 4 News nur über DAB+ zu empfangen ist und deshalb mobil im Auto noch kaum empfangbar ist, sogar sehr gut. Trotzdem ist das Publikum deutlich rascher gewachsen, als wir angenommen hatten. Bereits nach den ersten Wochen hatten wir über 100‘000 Hörerinnen und Hörer, die täglich DRS 4 News einschalteten. Unterdessen sind wir bei 333‘000 Hörerinnen und Hörer pro Tag (1. Halbjahr 2012). Wichtig ist für uns aber auch, dass die Hördauer kontinuierlich ansteigt, was für ein reines Wortprogramm ohne Musik ein entscheidender Wert ist. Das Publikum ist also offensichtlich zufrieden mit dem Programm und wir sind zuversichtlich, dass das Publikum noch grösser wird, wenn es mehr DAB+-Radios auf dem Markt hat.

Was hat sich in den fünf Jahren verändert beim Sendekonzept?

DRS 4 News ist laufend aktueller geworden. Wir sind heute sehr viel mehr dazu im Stande, Neues schnell aufzunehmen und zu vertiefen. Dazu tragen die Kolleginnen und Kollegen der Fachreaktionen Wirtschaft, Inland, Ausland massgeblich bei. Die Berichterstattung über die Korrekturen der UBS im Investment-Bereich zum Beispiel waren ein richtiges Highlight auf DRS 4 News. Am Grundkonzept hat sich aber wenig verändert: Wir berichten mit Nachrichten und Hintergründen über die wichtigsten Ereignisse aus Politik und Wirtschaft als Kernthemen. Das Themen-Spektrum über den Tag ist allerdings deutlich breiter, unter anderem mit Sport, Kultur, Wissenschaft oder Zeitgeschichte.

Gibt es Neuerungen die Sie anstreben?

Das Programm hat sich stetig weiter entwickelt. Es kamen neue Talkformate hinzu. Das Tagesprogramm ist heute stärker auf die Tagesaktualität ausgerichtet als in den Anfängen. Wo wir früher latent-aktuelle Themen aufgenommen haben, setzen wir heute Schwerpunkte zu Tagesthemen. Und seit 2009 produziert DRS 4 News auch die Info-Primetime von Schweizer Radio DRS, mit der Sendung "HeuteMorgen" auf DRS 1 und DRS 2. Und für nächstes Jahr sind weitere Neuerungen geplant, unter anderem eine Sachbuch-Rubrik, die in den nächste Wochen startet.

Was für eine Position nimmt DRS 4 News in der Gesamtstrategie von Schweizer Radio DRS bzw. SRF ein?

DRS 4 News liegt als Spartenprogramm Information mit Schwerpunkt Politik und Wirtschaft im Kernbereich des Service public-Auftrags, den die SRG zu erfüllen hat.

Im Rahmen des Jubiläums findet ein Podiumsgespräch zur Frage "Wozu brauchen wir überhaupt News?" statt. Wie lautet Ihre Antwort?

Der Mensch ist neugierig. Wir liefern ihm die News aus unserem Kernbereich rasch, in hoher Qualität und zeitunabhängig. Eine Demokratie braucht mündige Bürgerinnen und Bürger, damit sie funktionieren und lebendig bleiben kann. Dazu brauchen Menschen Informationen, Fakten, Einordnungen, verschiedene Standpunkte, Reflexion. Wie sollten die Menschen sich sonst eine eignen Meinung bilden können. Unsere Aufgabe ist es, unserem Publikum diese Informationen in hoher Qualität bereit stelle, damit es sie nutzen kann, wann, wo und wie auch immer es sie braucht. Dies ist unser Auftrag. Dazu braucht es unabhängige, kritische Medien mit hohem Qualitätsbewusstsein.

Interview: Corinne Bauer