Julia Jäkel wird CEO

Gruner + Jahr - Radikalumbau beim deutschen Zeitschriftenverlag.

Gruner + Jahr wird künftig allein von der Medienmanagerin Julia Jäkel geführt. Die 41-Jährige war erst seit September Deutschland-Chefin im bisherigen Führungstrio. Die beiden anderen Chefs müssen gehen.
 
Bisher verantworteten in der Konzernführung Torsten-Jörn Klein das Auslandgeschäft und Achim Twardy die Finanzen. Für sie sollen zwei Verlagsmanager mit anderen Aufgaben in das Gremium einziehen, beschloss der Aufsichtsrat am Mittwoch in Hamburg. Begründet wurden die Veränderungen mit einer stärkeren Ausrichtung von Gruner+Jahr (G+J) auf das Digitalgeschäft.
 
Binnen weniger Tage ist dies der zweite Paukenschlag in der deutschen Medienbranche. Erst am Dienstag hatte der Spiegel-Verlag seine beiden Chefredaktoren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron abberufen. Am Spiegel-Verlag ist auch Gruner+Jahr mit rund einem Viertel beteiligt.
 
Transformation braucht Neuordnung
 
Gesellschafter und Aufsichtsrat seien der Auffassung, "dass die Transformation zu einem auch digital führenden Medienunternehmen eine inhaltliche und personelle Neuordnung des Managements erfordert", teilte G+J-Aufsichtsratschef und Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe mit.
 
Er würdigte Klein und Twardy für ihre exzellente Arbeit über Jahre. Bertelsmann ist mit 74,9 Prozent Mehrheitsbesitzer, die Hamburger Verlegerfamilie Jahr hält eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.
 
G+J zählt zu den grössten Zeitschriftenverlagen Europas. Zu dem Grossverlag gehören unter anderem die Zeitschriften "Stern", "Gala", "Neon", "Brigitte" und "Schöner Wohnen". Gruner+Jahr hatte Jäkel nach dem Abgang des damaligen Konzernchefs Bernd Buchholz vor rund sieben Monaten in die Konzernleitung geholt und die Troika installiert.
 
Die Dreier-Führung hatte mit der Einstellung der stets defizitären "Financial Times Deutschland" und dem Verkauf der Wirtschaftsmagazine "Impulse" und "Börse Online" 2012 Aufsehen in der Medienbranche erregt. Finanzielle Folge: ein Jahresverlust 2012 von 11 Millionen Euro. Der Umsatz war im vergangenen Jahr mit 2,22 Milliarden Euro um 3 Prozent rückläufig. (sda)

Bild: Keystone