Meteorologe Jörg Kachelmann kritisiert in der heutigen Ausgabe des Blicks MeteoSchweiz, wonach sie zuwenig vor der Flut gewarnt hätten. Das Gleiche wirft er in Deutschland dem Deutschen Wetterdienst vor. Manfred Klemann, CEO von wetter.com und des Deutschen Wetterfernsehens, ist nun der Kragen geplatzt. Gegenüber "persoenlich.com erklärt er, Kachelmann profiliere sich durch falsche Behauptungen.
Herr Klemann, Sie betreiben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst das Internetportal wetter.com, die grösste Wetterseite im deutschsprachigen Raum. Nun behauptet Jörg Kachelmann sowohl in Deutschland wie in der Schweiz, dass er als erster vor der Flutkatastrophe gewarnt hätte. Was sagen Sie dazu?
Diese Märchen von Jörg Kachelmann, der sein Metrologiestudium bekanntlich nie beendet hat, sind wir längst gewohnt. Sie werden weder in der Schweiz noch in Deutschland wahrer. Bei dieser Unwetterlage ist er besonders unverfroren. Obwohl er in der Tageszeitung Südkurier von heute, Donnerstag, zugibt, erst am Montag Abend in einer Sendung der ARD um 22.58 eine Minute (!) lang "gewarnt zu haben, behauptet er damit, der erste gewesen zu sein. Dabei waren allein beim Deutschen Wetter Fernsehen, bei wetter.com und bei N24, dem deutschen Nachrichtensender, unsere und die Warnungen des Deutschen Wetter Diensts den ganzen Tag dunkelrot zu lesen. Unsere Diplom-Meteorologen gaben dazu in allen unseren Medien ausführliche Stellungsnahmen ab. Ich sage einfach: Kachelmann kocht sich durch seine wilden Angriffe auf die armen Behördenmenschen der staatlichen Wetterdienste sein eigenes Süppchen.
Wieso ist dann Kachelmann mit seinem Wetterdienst schneller, wie er immer behauptet?
Kachelmann ist nicht schneller vorher er ist nur schneller nachher. Wenn etwas passiert ist, behauptet er jedes Mal, er sei schneller gewesen und bringt Beweise, die keiner Nachprüfung standhalten. Kachelmann ist auch lauter , aber langsam kommen die Menschen dahinter. Wenn einer so penetrant als Rechthaber auf diesem Gebiet auftritt, wird er irgendwann nur noch zum Wetterclown.
In der Schweiz ist Jörg Kachelmann im Dauerstreit mit seinen staatlichen Kollegen. Wie ist es in Deutschland?
Kachelmanns Taktik ist: Erkläre die staatlichen Dienste für unfähig und langsam, dann werden die Medien aufmerksam und sein privater Wetterdienst oben in Appenzell bekommt die dicksten Aufträge. Verdächtig: Er erklärt, oft mit gleichen Worten, die Dienste in der Schweiz, in Deutschland und sogar noch in Österreich für unfähig. Und da Journalisten gerne bei solchen Dingen auf laute Kritiker reagieren, gewinnt er die Öffentlichkeit.
Was macht denn Kachelmanns Dienst besser als die anderen?
Falsche Frage. Was macht ihn schlechter als andere ., nämlich, dass sein Chef keine andere Meinung als die eigene gelten lässt. Wettervorhersage als Rechthaberei zu betreiben ist zutiefst unseriös. Dahinter stecken normal komplizierte Wissenschaftliche Modellrechnungen , dazu sollte man aber schon studiert haben, um sie verstehen zu können. Eine populärere Wortwahl, wie sie Kachelmann als Moderator eingeführt hat, macht keine bessere Wettervorhersage und schon lange keinen Wissenschaftler.
Ab wann soll bei einem Unwetter gewarnt werden?
Sobald sie sich abzeichnen. Aber ich behaupte: Montag, 14 Uhr ist früher als Montag 22.58 Uhr. Will sagen, das Deutsche Wetter Fernsehen und Wetter.com als Online Dienst des Deutschen Wetter Dienst haben auch dieses mal rechtzeitig und früh gewarnt. Aber Naturkatastrophen lassen sich heute noch nicht aufhalten; auch nicht vom selbsternannten Allwetterwisser Kachelmann.
Noch eine meteorologische Frage: Konnte man das Unwetter in dieser Stärke wirklich voraussehen?
Sicher, aber nicht so rechtzeitig, dass alle Details der Verhinderung von Unglück zu jedem Betroffenen gelangen kann. Seien wir ehrlich, wer schaut schon bei Starkregen draussen ständig auf wetter.com; hätte er es -- in der Schweiz bei entsprechenden Seiten -- getan, wäre er gewarnt gewesen. Die Kachelmannschen Tagesthemen hätte er aber vielleicht schon gar nicht mehr trockenen Fusses erleben können.
Warum glauben Sie denn, dass Kachelmann immer nach Unwettern behauptet, er habe vorher alles gewusst?
Zwei Gründe: Seine Eitelkeit, denn die Menschen und vor allem die Medien suchen Erklärungen. Und da ist so ein Besserwisser immer gefragt und er findet sein Gesicht auf vielen Titelblättern. Der zweite Grund ist Handfester; Er sucht Aufträge für seine Firma; und was ihm damals (nach der Flut 2002) bei der Handstreich artigen Übernahme des Wetterberichts nach den deutschen Tagesthemen (früher hat das der Deutsche Wetter Dienst gemacht) in der staatlichen ARD gelang, versucht er jetzt z.B. für das Tagesschau Wetter. Sowohl in der Schweiz offensichtlich als auch in Deutschland.