Kurz vor dem Zeitungstausch mit der NZZ hat Tamedia die Huber-Liegenschaft in Frauenfeld, Sitz der Thurgauer Zeitung, an einen Investor verkauft. Dieser geriet in der Folge in den Verdacht, mit Tamedia unter derselben Decke zu stecken etwa indem er die Liegenschaft kaufte, damit Tamedia genug flüssige Mittel hätte, um den Einstieg bei den ZürcherlandZeitungen zu bezahlen.
In einem Interview mit der mittlerweile zur NZZ-Gruppe gehörenden "Thurgauer Zeitung" (TZ) kritisiert Investor Urs Seiler nun Tamedia. Auch er sei vom Verkauf der Zeitung überrumpelt worden, gibt er zu Protokoll. "Es war eine Art Schock: Am Tag zuvor besiegelten wir mit Tamedia die Eigentumsübertragung und schlossen einen Mietvertrag mit der TZ auf fünf Jahre ab." Am Tag darauf habe er dann erfahren, dass er mit der NZZ einen neuen Mieter habe. "Wir empfinden dieses Vorgehen von Tamedia schon fast als unethisch." Einen Schaden habe er deswegen zwar nicht. "Für mich bleibt das Vorgehen aber stossend", sagt er.
Seiler wirft Tamedia weiter vor, sich nicht an das vereinbarte Stillschweigen punkto Kaufpreis gehalten zu haben. Ausgerechnet in Tamedias "SonntagsZeitung" habe er lesen müssen, dass der Kaufpreis 17 Millionen Franken betragen habe. Ein Betrag, den Seiler aber korrigiert: "Der tatsächliche Kaufpreis betrug 18 Millionen Franken", sagte er gegenüber der "Thurgauer Zeitung".