Das Ende Mai in der Schweiz erhältliche iPad von Apple ist ein Computer im Schiefertafel-Format mit buchfähigem Farbbildschirm und Fingerbedienung. Doch Apples Ideen sind nicht neu, und die Konkurrenten bieten Alternativen. Es geht um die Herrschaft im Milliarden-Markt mit digitalen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen.
Noch in den 60er-Jahren krakelten Schulkinder mit Kreiden erste Buchstaben auf Schiefertafeln. Die Technik hatte viele Vorteile: Fehler liessen sich durch einfache Schwammgesten korrigieren, einmaliges Umblättern war einfach und der drucksensitive Stift schützte im Notfall zerbröselnd die Tafel vor Beschädigungen. Die Schiefertafel ist, ausser bei jassenden Nationalsportlern, inzwischen verschwunden. In Form, Grösse und Bedienhaltung erinnern aber Apples Pad- Rechner frappant an die Technik aus der "Kreidezeit".
Doch statt mit der Kreide darf man auf dem iPad mit der Fingerspitze über eine Glasplatte streicheln oder Programme anstupsen. Mit 1024 mal 768 farbigen Bildpunkten hält man Darstellungen von Fotos, Filmen oder Zeitschriften in der Hand, die vor fünf Jahren nur auf teuren Computermonitoren zu sehen waren. Wer sich zu Hause im Empfangsbereich seines Funknetzwerks aufhält, kann mit dem Pad-Computer sogar direkt im Internet surfen. Das teurere Modell verbindet sich sogar über das Handynetz ins WWW. Wer es gemütlicher will, lädt digitale Bücher und Zeitschriften auf das rund 700 Gramm schwere Tablet und liest mit einer Akkuladung bis zu zehn Stunden.
Alte Idee besser verpackt
Die Idee des Tablet-PC ist keine Erfindung von Apple. In den 60er-Jahren wurde die Idee bereits von Alan Kay angedacht und ab 1966 in der TV-Serie "Raumschiff Enterprise" den Science-Fiction-Freunden vorgegaukelt. 2001 kündigte dann Microsoft den ersten Schiefertafel-Rechner an, und Hersteller wie Acer, IBM, Hewlett Packard, Sony und Siemens und brachten erste Geräte auf den Markt. Doch diese waren zu teuer, zu schwer und zu träge.
Sie mussten mit einem Stift bedient werden, und es gab kaum Programme, welche auf diese Bedientechnik optimiert waren. Nur in medizinischen und technischen Bereichen setzten sich die Tablets durch. Auch Apple scheiterte mit ihrem ersten Stiftrechner, dem 1993 eingeführten Newton, übrigens kläglich. Mit dem nun bejubelten neuen iPad hat Apple bessere, schnellere und leichtere Technik eingesetzt und den Stift durch den Finger ersetzt. Im Prinzip wurde einfach das erfolgreiche Mobiltelefon iPhone auf knappes A4-Format vergrössert und dessen Telefoniefunktion entfernt.
Die einfache Bedienung mit berührungsempfindlichem Bildschirm (Touch) ist aber geblieben. Auch die über 100'000 Programme von iPhone und dem Multimediaplayer iPod Touch laufen auf dem iPad grösstenteils wie gewohnt. In den USA war das iPad ab 550 Franken zu haben und ist bereits ausverkauft.
Convertibles bieten mehr
Im Rummel um den neuen iPad werden aber oft Alternativen übersehen. Denn so hübsch und hochgelobt das iPad ist, letztlich handelt es sich dabei eher um ein Spass- als um ein Arbeitsgerät. Wer vernünftig tippen, drucken oder Daten mit andern austauschen will, verzweifelt mit dem hermetisch verschlossenen Apple- Produkt.
Für die Kombination aus Arbeit und Spass sind so genannte Convertibles besser geeignet. Es handelt sich dabei um Windows-Notebooks mit üblicher Tastatur. Ihr berührungsempfindlicher Bildschirm lässt sich jedoch nicht nur zuklappen sondern auch umdrehen und mit der Anzeigenseite nach oben über die Tasten legen. Somit verwandelt sich beispielsweise das Asus T101MT je nach Wunsch in einen Tastenrechner oder einen Pad mit Finger oder Stiftbedienung. Als offenes System verfügt es über sämtliche Anschlüsse und kostet nicht mehr, als ein iPad. Solche Convertibles gibt es auch von Lenovo, Hewlett Packard und Dell.
Ihre grösste Schwäche ist allerdings, das Microsofts Betriebssystem Windows auch in der Version 7 schlecht an Fingerbedienung angepasst ist. Ferner gibt es nur eine handvoll auf Tablets ausgerichtete Windowsprogramme.
Kampf um die Verleger
Mächtigster Gegenspieler von Apple im Tablet-Markt ist allerdings Google. Von Archos, Dell und Asus werden demächst iPad-Konkurrenten mit dem Google- Betriebssystem Android erhältlich sein. Auch bei Android gibt es bereits Zehntausende Programme, die für die Fingerbedienung optimiert sind. Bei dem Marktkampf geht es nicht nur um den Verkauf von Computern, sondern auch um die Herrschaft über die Inhalte. Denn Apple bestimmt über den AppStore nicht nur welche Programme auf ihren i-Geräten ablaufen dürfen, sondern kann als einziger Anbieter auch Musik, Filme, Bücher und Zeitschriften auf die Geräte spielen. Dabei erhält Apple bis zu 30 Prozent der Erträge.
Neben Google möchten aber auch die Zeitungsverleger selber bestimmen, was inskünftig auf den bunten Tafeln zu lesen ist. Sie möchten Inhalte, Abonnenten, Werbung und Einkünfte selber bestimmen und kontrollieren. So wundert es nicht, dass neben dem deutschen Verlag Gruner & Jahr auch das Schweizer Medienimperium Ringier intensiv mit dem Hersteller des Linux-Gerätes WePad in Berlin verhandelt. Es wäre denkbar, dass die Verlage lieber ihren Zeitschriftenabonnenten ein Tablet wie den WePad vergünstigt anbieten, als die entsprechenden Erträge inskünftig mit Apple teilen zu müssen. (sda)