Kanton Genf geht rechtlich gegen Sender vor

RTS - Das Westschweizer Radio und Fernsehen hat einen Teil seines Gebäudes an ein vom Sender unabhängiges Kommunikationsunternehmen vermietet. Damit verstösst RTS gegen vertragliche Vereinbarungen.

Der Kanton Genf hat ein Verfahren gegen das Westschweizer Radio und Fernsehen Radio Télévision Suisse (RTS) eingeleitet. Der Sender sei nicht seinen öffentlichen Verpflichtungen nachgekommen, weil er einen Teil seines Gebäudes an ein Unternehmen vermietet habe.

«Das verstösst gegen das mit dem Kanton unterzeichnete Baurecht, das ihm kostenlos öffentliches Land für seine Aktivitäten zur Verfügung stellt», erklärt Antonio Hodgers, Mitglied des Genfer Staatsrats, am Montag in einem Interview, das von Tribune de Genève und 24 Heures veröffentlicht wurde. RTS habe nicht auf die formelle Zustimmung des Genfer Staatsrats gewartet.

RTS handle «wie ein Immobilienspekulant»

Hodgers erklärte weiter, dass der Mietvertrag mit einem multinationalen Kommunikationsunternehmen abgeschlossen worden sei, das keine Verbindung zum öffentlichen Radio und Fernsehen der Westschweiz oder den Medien habe. Die RTS finanziere somit «riskante Investitionen». Sie hätte zuvor mit grossem Aufwand ihr Redaktionsgebäude renoviert, «um es dann teilweise zu desinvestieren und ein neues Zentrum in Écublens (VD) zu bauen», wohin die Nachrichtenredaktionen verlegt werden solle und welches auf 120 Millionen Franken veranschlagt worden war. «Da sie Geld sucht, handelt die Direktion wie ein Immobilienspekulant», fügte er hinzu.

Laut Hodgers habe der Staatsrat der RTS gesagt, sie solle den Vertrag mit dem multinationalen Kommunikationsunternehmen nicht unterzeichnen, aber sie hätten dies «hinter unserem Rücken» trotzdem getan. «Dieses unfaire Verhalten ist problematisch», so Hodgers. (sda/yk)