Kapitulation vor Remo Stoffel?

Tages-Anzeiger - "Turm-von-Vals"-Initiant soll Interview durchgedrückt haben.

"Wenn der Tages-Anzeiger zu Kreuze kriechen muss", lautet ein Tweet vom David Sieber, Chefredakor der Südostschweiz. Angehängt ein Link zum Interview von Tages-Anzeiger-Chefredaktor Res Strehle mit Remo Stoffel, welches im Tages-Anzeiger abgedruckt war. Remo Stoffel ist jener Unternehmer, der in Vals einen 380-Meter-Turm bauen will.

Öffentlich will sich niemand zu Siebers Tweet äussern. Hinter vorgehaltener Hand scheint der Fall aber für alle klar zu sein.

In einem Tagi-Interview vom 3. April spricht Staatsrechts-Professor Rainer Schweizer bezüglich Turmbau-Projekt von Korruption: "Meiner Auffassung nach gehört der Verkauf der Therme zu den grossen Korruptionsfällen in Schweizer Gemeinden, vergleichbar mit jenem in Leukerbad." Korruption ist nicht nur ein hartes Wort, die Behauptung könnte auch von juristischer Relevanz sein.

Schon damals liess Stoffel verlauten: "Eine Klage wird nur dann nicht angestrebt, wenn der Tages-Anzeiger sich klar vom Artikel distanziert.“ Und: Wenn eine Stoffel-Stellungnahme publiziert wird.

Keine Klage gegen den Tages-Anzeiger

Nun erschien im Tages-Anzeiger ein grosses Interview mit Turm-Investor Stoffel, geführt von Tages-Anzeiger-Chefredaktor Strehle persönlich.

Von einem Gefälligkeitsinterview, wie es David Sieber implizierte, will man beim Tages-Anzeiger nichts wissen. Auf Nachfrage von persoenlich.com heisst von Tamedia-Kommunikationschef Christoph Zimmer: "Ja, Remo Stoffel sprach von einer Klage". Und weiter: "Nach den Recherchen der letzten Wochen waren wir an einem Interview mit Herrn Stoffel interessiert, allerdings nur unter der Bedingung, dass er auf eine Klage verzichtet". Grossen Wert legt man auch auf die Feststellung: Es habe weder vereinbarte Fragen noch sonstige Einschränkungen gegeben.

Gegenüber persoenlich.com meinte Stoffels Kommunikationsberater Peter Hartmeier, früher selbst Tages-Anzeiger-Chefredaktor: "Es ist so, gegen Professor Schweizer wird geklagt". Nicht aber gegen den Tages-Anzeiger. Warum macht der Tagi-Chefredaktor Strehle so ein Interview wohl selber? "Res Strehle ist kompetent und interessiert an Fragen der Architektur". So Strehles Vorgänger Hartmeier.

Zur Frage, ob es ein Gegengeschäft "Klageverzicht gegen wohlwollendes Interview" gegeben hat, meinte der Kommunikationsprofi nur so viel: Selbstverständlich gäbe es KEINE Gegengeschäfte. Aber man rede miteinander. (msa)

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