Die Coopzeitung steigt mit einem überarbeiteten Auftritt ins neue Jahr. Laut Wemf-Messung geben Sie bereits heute das grösste Presseprodukt der Schweiz heraus. Wozu also der Relaunch?
Weil wir die Grössten bleiben wollen.
Werden Sie denn in Ihrer Position bedroht?
Nicht unbedingt. Aber um führend zu bleiben, ist es am besten, man nimmt Zeitgeist und technische Mittel voraus.
Und wie machen Sie das?
Dem Zeitgeist werden wir mit mehr Zurückhaltung bei den Schriften gerecht, vor allem die Titelschrift ist feiner geworden. Das Blatt war früher eine Idee schreierischer, jetzt haben wir das etwas zurückgenommen. Das entspricht der heutigen Zeit. Die grosse technische Neuerung ist die volle Vierfarbigkeit.
Diese Buntheit wird durch die neuen Druckmaschinen der BaZ ermöglicht. Was wäre passiert, wenn die BaZ hier nicht investiert hätte?
Dann hätte die BaZ möglicherweise ein Problem bekommen. Die neue Druckerei ist sicher nicht ganz unbeeinflusst von unseren Absichten entstanden. Diesbezügliche Diskussionen liefen bereits seit fünf Jahren.
Wie lange kann man es sich noch leisten, in der Schweiz zu drucken?
Nun, wir können es uns ja auch leisten, in der Schweiz Läden zu haben... Auf die Medienbranche bezogen wird es für uns als Kunde aber eher einfacher und attraktiver, im Inland drucken zu lassen. Denn die Konkurrenz nimmt extrem zu. Was hier an Kapazitäten gezüchtet wird, ist für mich unverständlich!
Hat die verschärfte Konkurrenz unter den Druckereien für Sie auch zu besseren Konditionen bei der BaZ geführt?
Sicher. Wir haben unsern Druckauftrag übrigens auf vier Druckereien gesplittet, wobei die BaZ den grössten Anteil behält.
Ihr direkter Mitbewerber, der Brückenbauer, erfindet sich derzeit ebenfalls neu. Ein Zufall?
Nein, ich beurteile das nicht als Zufall. Unser direkter Mitbewerber macht einmal mehr das, was er in den vergangenen Jahren immer gemacht hat: Er beobachtet, was sich auf dem Markt tut, und adaptiert das dann sehr gut. Nach meinem Wissensstand ist aber jetzt ein echter Neustart geplant. Ich freue mich darauf.
Wer hat denn als Erster eine Überarbeitung seines Kundenmagazins angekündigt?
Wir haben vor einem Jahr bekannt gegeben, dass die Verträge für den Vierfarbendruck unterzeichnet sind. Für uns war immer klar, dass ein voll vierfarbiger Druck eine Überarbeitung der Coopzeitung mit sich bringt. Es ist dies im übrigen seit der Umstellung auf Tabloid im Jahr 1987 der siebte Relaunch unseres Blatts. Meine Ansichtist nämlich, dass man sich kontinuierlich anpassen soll, um den Leser nicht vor den Kopf zu stossen.
Sowohl das künftige Migros-Magazin, als auch die Coopzeitung wollen mehr Service bieten. Werden Kundenmagazine zu reinen PR-Postillen?
Nein! Service bedeutet Lebenshilfe, praktische Ratschläge, aber auch Tipps, wo man sich zu einem Thema weiter informieren kann. Hier wollen wir auch vermehrt mit unserem Internet-Auftritt zusammenarbeiten. All das bedeutet aber nicht mehr PR. Wir wollen als Coopzeitung vor allem für unsere Leser da sein.
Welches ist denn das Ziel eines Kundenmagazins wie der Coopzeitung?
Kundenbindung! Ganz sicher aber auch die Service-Leistung sowie die Möglichkeit, dass ein Kunde an einem Ort in konzentrierter Form alle wichtigen Informationen über seinen Partner, unser Unternehmen, findet. Ausserdem soll ein Kundenmagazin Ausdruck sein für die Weltoffenheit des Unternehmens. Es soll helfen Image zu bilden, und Glaubwürdigkeit aufzubauen.
Muss das Produkt dabei auch rentieren? Schreibt die Coopzeitung schwarz?
Gemäss Vollkostenrechnung sehr schwarz.
Gegenüber ihren Lieferanten ist Coop in einer starken Position. Nun gibt es mehr Platz zur Selbstdarstellung. Warum dieses Zückerchen?
Wir wollen eine Zeitung sein, die für die Leser interessant ist. Und eine gewisse Dienstleitung an unsere Leser ist selbstverständlich auch, dass wir ihn über Geschäftsabläufe informieren. Wir sind eine Konsumentenzeitung, und dazu gehört auch, dass wir Zusammenhänge und Hintergründe ins Licht rücken. Ausserdem scheint es mir wichtig zu sein, dass Lieferanten mit intensiven Beziehungen zu Coop die Möglichkeit haben, sich in dieser Zeitung zu erklären. Das geht über ein Inserat weniger gut, denn Hintergründe und Philosophien lassen sich in Artikeln einfach besser darstellen. Alle unsere Beiträge werden aber nach journalistischen Prinzipien geschrieben.
Service in Ehren. Den grösste Nutzen haben vergleichsweise aber sicher nicht die Leser, sondern die Lieferanten.
Es ist ja nicht so, dass die Lieferanten einfach so kommen können und unbeschränkte Möglichkeiten hätten. Wir wählen aus, was für die Leserschaft interessant ist. Die Situation ist eher vergleichbar mit dem Redaktionsalltag anderer Zeitungen, wo Vorschläge ja auch von aussen herangetragen werden.