Kauft Ringier eine Weko-Busse ein?

Ticketcorner - Verlagshaus handelt sich Untersuchung ein.

Mit der Übernahme von Ticketcorner macht Ringier zwar einen grossen Schritt in seiner Entertainment-Strategie, handelt sich aber auch eine Untersuchung der Wettbewerbskommission ein – und vielleicht sogar eine Busse. Eine notabene, die Partner CTS Eventim mit angezettelt hatte.

Ticketcorner setzte im Geschäftsjahr 2009 insgesamt 9,3 Millionen Eintrittskarten für Kultur- und Sportevents ab und erzielte so einen Nettoumsatz von 35 Millionen Franken. Damit kommt das Unternehmen in der Schweiz auf einen Marktanteil von rund 60 Prozent im Ticketing. Ringier, das Ende letzten Jahres ankündigte, in den Billetverkauf einsteigen und so seine Entertainement-Strategie ausbauen zu wollen, landet nun also einen starken Coup. Allerdings nicht allein, sondern zusammen mit der deutschen Ticketing-Spezialistin CTS Eventim, die schon länger in der Schweiz aktiv und unter Europas Billetverkäufern Marktführerin ist. Die beiden haben ein Joint Venture gegründet und werden darin sämtliche Ticketingaktivitäten bündeln – jene von Ticketcorner sowie das Schweizer Geschäft von CTS Eventim. Damit dürfte der Marktanteil auf etwa 70 Prozent steigen.

Kläger wird Besitzer

Doch die Übernahme von Ticketcorner entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn Ringier und CTS Eventim übernehmen auch einen Vertrag zwischen Ticketcorner und dem Zürcher Hallenstadion, der möglicherweise gegen das Kartellgesetz verstösst. Aufgrund des Vertrages, der per 2009 für fünf Jahre abgeschlossen wurde, werden Veranstalter von Anlässen im Hallenstadion dazu verpflichtet, jeweils mindestens 50 Prozent der Tickets über Ticketcorner zu vertreiben. Gegen diese Vereinbarung hatten zwei Konkurrenten von Ticketcorner bei der Wettbewerbskommission geklagt: die CTS Eventim und die St. Galler Firma Ticketportal.

Nach einjähriger Voruntersuchung kam die Weko zum Schluss, "dass die getroffene Vereinbarung als kartellrechtlich unzulässige Abrede beurteilt werden könnte, da sie andere Mitbewerber vom Markt für den Vertrieb von Veranstaltungstickets ausschliesst." Sie leitete deshalb vor zwei Wochen eine vertiefte Untersuchung ein. Dass Ticketcorner jetzt den Besitzer wechselt, ändert daran nichts. Die Weko werde die Untersuchung auf jeden Fall weiter führen, sagt Weko-Vizedirektor Olivier Schaller. "Denn wir analysieren den Markt, nicht den Streit zwischen zwei Konkurrenten." Klar ist: Im Falle einer Verurteilung droht eine Busse. Und diese kann bekanntlich empfindlich hoch ausfallen.

Doppelter Missbrauch und personelle Verflechtung

Das weiss man auch bei Ringier. Doch äussern will man sich dazu nicht. "Die Sache ist noch zu frisch. Wir müssen erst schauen, wie wir mit dieser Angelegenheit verfahren", sagt Ringier-Sprecher Stefan Hackh. Und Volker Bischoff, CFO bei CTS Eventim in München, geht davon aus, dass die Klage ergebnislos sein wird. "Die Weko wurde in der Vergangenheit schon mehrfach gegen Ticketcorner aktiv, ohne dass es Auflagen gab." Tatsächlich wurde Ticketcorner seit 2003 mehrmals für seine Mitbewerber zum Stein des Anstosses. Auch Good News, die Konzertagentur von Ringier, klagte einmal. Doch alle Klagen blieben letztlich erfolglos.

Diesmal liegt die Sache aber etwas anders. Denn mit dem Vertrag wurden womöglich gleich zwei starke Marktstellungen missbraucht – jene von Ticketcorner und jene des Zürcher Hallenstadion. Letzteres ist punkto Lage, Grösse und Infrastruktur für Grossveranstaltungen eben einzigartig in der Schweiz. Und was den Kartellverdacht noch zusätzlich nährt: Balz Hösly, VR-Präsident von Ticketcorner, ist zugleich VR-Vizepräsident beim Hallenstadion.

Wenig Interesse an Fairplay

Wie dem auch sei, für Ringier und CTS Eventim wäre es jetzt ein Leichtes, bei Ticketcorner für eine personelle Entflechtung und in der Ticketing-Branche für mehr Fairplay zu sorgen. Als ehemalige Kläger haben sie ja auch klare Vorstellungen, wie dies zu bewerkstelligen wäre. Doch werden sie diese nun auch umsetzen? Sowohl bei Ringier als auch bei CTS Eventim drückt man sich vor einer klaren Antwort. "Das Geschäft von Ticketcorner soll weiterhin profitabel geführt und ausgebaut werden", sagt Stefan Hackh.

"Die Sache ist nun aus der Perspektive von Ticketcorner anzusehen", fügt Volker Bischoff hinzu. Das lässt für die Branche wenig Positives erahnen. Umso weniger, als Bischoff nichts davon hält, der Weko-Untersuchung nun durch ein verändertes Geschäftsgebaren Wind aus den Segeln zu nehmen. "Wir sind nicht befugt, die Weko-Entscheidung zu beeinflussen", sagt er.

(Markus Knöpfli)