Die SRG plant für die National- und Ständeratswahlen am 23. Oktober drei sprachregionale Wahlzentren in Zürich, Genf und Lugano. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) wird wie schon an den Wahltagen 2003 und 2007 nicht aus Bern senden. Im "Leutschenbach" wird am Wahltag auch die in Fernsehen und Radio live ausgestrahlte Diskussion der Präsidentenrunde stattfinden, wie SRF-Sprecher Marco Meroni am Freitag der Nachrichtenagentur SDA sagte. Die Spitzen der Bundesratsparteien sowie von Grünen, glp, EVP, EDU und CSP seien nach Zürich eingeladen worden.
Zwölf Stunden live aus Zürich
SRF wird am Wahltag von 12 bis 24 Uhr live aus dem "Leutschenbach" senden. Dass das Wahlstudio in Zürich eingerichtet wird und nicht im politischen Zentrum Bern, sorgt heuer wie vor früheren eidgenössischen Wahlen für eine Kontroverse. SVP-Generalsekretär Martin Baltisser sieht die Angelegenheit gelassen. "Wir stellen uns auf den Rahmen ein, der kommt. Man muss das nüchtern und pragmatisch betrachten." Hauptsache sei, dass die Gebührenzahler so wenig wie möglich belastet würden. Anders sieht es CVP-Präsident Christophe Darbellay: Er und die Westschweizer Parteipräsidenten hätten die "Elefantenrunde" lieber in Bern, sagte der Walliser. "Das hat sich bei den Abstimmungen bewährt. Es ist für Politiker und für Medienleute praktisch. Und es ist auch symbolisch wichtig, denn Bern ist die Hauptstadt."
Leutschenbach ist nicht Hauptstadt
"Bern ist die Hauptstadt und nicht Leutschenbach", doppelte SP-Generalsekretär Thomas Christen nach. Eine Sendung zu einem so wichtigen Termin wie den eidgenössischen Wahlen müsse aus Bern kommen, gerade in der mehrsprachigen Schweiz. Die SP wolle ihre Kritik gegenüber der SRG zur Sprache bringen. Auch die Stadt Bern reagierte enttäuscht. Stadtpräsident Alexander Tschäppät rief das Fernsehen auf, den Entscheid zu überdenken. Wie 2003 und 2007 werde die SRG der besonderen Stellung Berns als Hauptstadt nicht gerecht; das sei medien- und staatspolitisch fragwürdig.
Die Studioräume im Medienzentrum Bundeshaus seien für die grosse Wahlsendung viel zu klein und technisch nicht genügend ausgerüstet, hielt Meroni dagegen. "Substanzielle Operationen sind dort nicht vorgesehen." In Zürich würden gegen 250 Gäste erwartet. Dort werde zudem das Zentrum für Hochrechnungen und Analyse untergebracht. Das Wahlzentrum des Westschweizer Radios und Fernsehens (RTS) befindet sich in Genf und jenes des italienischsprachigen Radios und Fernsehens (RSI) in Lugano. RTS und RSI erhalten in Zürich zudem Platz für Live-Standorte.
Vorwahl-Event auf dem Bundesplatz
In Bern führen SRF/SRG den Vorwahl-Event "Treffpunkt Bundesplatz" durch, nämlich vom 19. bis 30. September auf dem Bundesplatz. Die Infrastruktur dann noch bis zum 23. Oktober stehen zu lassen, mache wirtschaftlich keinen Sinn, sagte Meroni. Für eine Wahlsendung vom Bundesplatz müsste ein grosser Teil der Infrastruktur nach Bern gebracht und aufgebaut werden, was viel kosten würde. Würde ein anderer Standort extra eingerichtet, würde dies zusätzliche Mittel bedingen. Berichten wird SRF am 23. Oktober aus dem Berner Rathaus über die Wahlen im Kanton Bern. (sda)