"Kein Werber will ein Freak-Radio"

Radio 105 - Giuseppe Scaglione feiert 3 Jahre UKW.

Herr Scaglione, herzliche Gratulation zum dreijährigen Bestehen von Radio 105. Womit, würden Sie sagen, grenzt sich Ihr Sender am meisten von der Radio-Konkurrenz ab?

Vielen Dank für die Glückwünsche, wobei wir ja schon seit über 14 Jahren auf Sendung sind. Der dreijährige Geburtstag bezieht sich auf die UKW-Verbreitung. Radio 105 unterscheidet sich in erster Linie durch drei Faktoren von der Konkurrenz: Erstens die Musik: Wir spielen nicht die immer gleichen alten Songs rauf und runter, sondern konzentrieren uns auf neue Musik, die heute bei einem jungen Publikum gefragt ist. Deshalb heisst unser Slogan auch "Today’s Best Music". Bei uns entdecken die Leute neue Songs. Zweitens die Moderatoren: Unsere Moderatoren sind kreativer, authentischer, frecher und jünger als jene der Konkurrenz. Wir lassen ihnen relativ viel Freiräume. Wir behandeln Themen, die immer auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten sind. Drittens die DJ’s: 105 war für die Club- und DJ-Szene schon immer eine wichtige Plattform. Jedes Wochenende haben 18 DJ’s ihre eigene Sendung auf Radio 105. Das ist in der Schweiz völlig einzigartig.

Sind neue Sendeformate in Planung?

Ja, aber dazu kann ich im Moment nichts sagen. Nur so viel: Wir werden immer für eine Überraschung gut sein.

Ihre Homepage ist eine echte Herausforderung, planen Sie da eine Vereinfachung, dass sich der Besucher besser zu Recht findet?

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage bei unseren Hörern hat gezeigt, dass 83 Prozent die aktuelle Website gut bis sehr gut finden. Nur 3 Prozent der Hörer gefiel sie nicht. Mit dieser Website wurden wir im Übrigen im Jahr 2008 mit dem Best of Swiss Web Award – Technology Quality Silver – ausgezeichnet. Wir planen aber tatsächlich eine völlig neue Website, die mit Sicherheit wieder mit einigen Innovationen aufwarten wird. Bisher war jede neue Website von Radio 105 eine grosse Neuheit für den Schweizer Radiomarkt. Im Jahr 2005 waren wir zum Beispiel das erste Schweizer Radio mit verschiedenen Web-Spartenradios, die dazu noch in sehr guter Tonqualität angeboten wurden. Im Jahr 2008 waren wir das erste Radio der Schweiz, das stark auf Community-Bildung und Videos setzte.

Wenn ich Ihr anfängliches Programm und das Programm von jetzt vergleiche, stelle ich fest, dass viel weniger Indie und alternative Musik gespielt wird. Wenn ich jetzt Radio 105 einschalte, kommt meistens DJAntoine. Wieso ist Radio 105 dermassen Mainstream geworden was die Musik anbelangt?

Es ist ja nicht so, dass bei uns nur DJ Antoine läuft. Aber ich bin froh, dass Sie dieses Beispiel nennen. Wir spielen die Musik von DJ Antoine nun schon seit ca. 15 Jahren und sind nicht erst jetzt auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Das gleiche gilt für heutige Weltstars wie David Guetta oder Lady Gaga. Als wir zum ersten Mal die Musik dieser Acts spielten, waren sie für ein breiteres Publikum noch völlig unbekannt. Nur weil dann diese Acts in den Charts landen und danach zu Superstars werden, muss ihre Musik ja nicht gleich schlecht sein. Fakt ist: Der Löwenanteil unserer Musik wird von anderen Sendern nicht gespielt. Da leisten wir einen grossen Beitrag zur Vielfalt. Wir sind aber ein Privatradio, das ausschliesslich durch Werbe- und Sponsoringeinnahmen finanziert werden muss. Deshalb haben wir ein Programm konzipiert, das die Leute auch wirklich interessiert.

Es ist nicht schwierig anders oder schräg zu sein, um von Journalisten nicht in die Mainstream-Schublade gesteckt zu werden. Die Schwierigkeit besteht darin, sich von der Konkurrenz abzuheben und trotzdem noch eine genügend grosse Masse zu erreichen. Kein Werber ist an einem Freak-Radio interessiert, das nur ein paar Tausend Hörer hat. Für die Abdeckung individueller Musikbedürfnisse gibt es heute im Internet ca. 100‘000 verschiedene Webradios.

In Ihren Sendungen wird oft die Dummheit der Hörer vorgeführt, etwa mit irreführenden Umfragen auf der Strasse – die "blöden" Antworten werden jeweils mit einem Geräusch "Schlag in die Fresse" quittiert. Ist das nicht despektierlich?

Eine kleine Vorbemerkung: Sie sprechen die Rubrik "Die fragwürdige Frage" an. Eine tägliche Rubrik, die rund 1 Minute dauert. Es kann somit nicht von mehreren Sendungen und auch nicht von einer Häufung die Rede sein, wie Sie dies mit Ihrer Frage suggerieren.

Dass Sie mir diese Frage stellen, überrascht mich ohnehin. Sie vergleichen im Jahr 2012 eine Unterhaltungs-Rubrik mit Respektlosigkeit? Wenn man die toten Kinder eines Car-Unglücks auf der Frontseite abdruckt, um die Auflage zu steigern, dann kann man meiner Meinung nach über Respektlosigkeit diskutieren. Das sind echte Schicksale. Aber wenn man eine unterhaltende, nicht ernst gemeinte Strassenumfrage mit Respektlosigkeit vergleicht, darf man nie mehr den Fernseher einschalten und sich Formate wie Music Star auf dem Schweizer Fernsehen anschauen. Da werden absichtlich Menschen gezeigt und beleidigt, die nicht singen können. Und das auch noch mit Bild! Wir hingegen senden kein Bild, auf welchem man Personen identifizieren kann. Nur nebenbei bemerkt: Bisher hat sich noch niemand an dieser Rubrik gestört. Im Gegenteil: Es ist eine der erfolgreichsten im Lande.

Gemäss der letzten Bakom-Studie weist Ihr Sender die niedrigste Informationskultur unter den Zürcher Privatradiosendern auf. Wieso informieren Sie Ihre jungen Hörer nicht besser?

Ehrlich gesagt, irritiert mich Ihre Frage schon wieder. Sie vergleichen Quantität mit Qualität. Sie fragen mich, weshalb wir nicht besser informieren, doch die Bakom-Studie bezieht sich auf die Frage, wie oft wir informieren. Unsere Information ist von der Qualität her einwandfrei. Da wurden seitens Bakom keinerlei Mängel festgestellt. Unser Informationsangebot orientiert sich am Bedürfnis der jungen Hörer. Da wir eine andere Zielgruppe ansprechen als unsere Konkurrenten ist es ohnehin wenig sinnvoll das Informationsangebot zu vergleichen.

Sie feiern den dreijährigen Geburtstag von Radio105 mit Ihren Hörern im Palais X-tra. Was sind die Höhepunkte der Party?

An der 105 DJ Night Party legen die 15 besten DJ’s des Landes ihre Platten auf. Somit ist jeder einzelne DJ ein eigentlicher Höhepunkt. Es freut uns besonders, dass wir international erfolgreiche Acts wie DJ Antoine, Mike Candys, Remady & Manu-L und Tacabro verpflichten konnten. Wir bieten den Leuten eine tolle, emotionsgeladene Show. Der Hype um die 105 DJ Night wird von Jahr zu Jahr grösser: Alle wollen dabei sein. Es hat sich herumgesprochen, dass dies ein einzigartiger Event ist.

Interview: Benedict Neff