Kaum hat die Redaktion des Berner Bund die jüngste Entlassungswelle verdaut, muss sie sich schon mit der Möglichkeit einer nächsten Abspeck-Runde auseinandersetzen: Dem Berner Qualitätstitel soll schon bald eine weitere Budgetkürzung von 1 bis 1.5 Millionen Franken ins Haus stehen, berichtet die NZZamSonntag am vergangenen Wochenende in aller Kürze. "persoenlich.com" hakte bei der Espace Media Groupe nach. Albert P. Stäheli, Delegierter des Verwaltungsrats der Espace Media, wollte die Hiobsbotschaft einer weiteren Sparrunde jedoch nicht kommentieren: "Mir liegen keine Anträge vor, die jetzt zu entscheiden wären."
Eine aufschlussreichere Anwort erhielt "persoenlich.com" von Bund-Chefredaktor Hanspeter Spörri. Er hält es zwar noch für "sehr früh", über das konkrete Ausmass der nächsten Sparrunde zu sprechen, da noch nicht alle Zahlen feststehen würden. Aber: "Aus der Luft gegriffen sind die Befürchtungen nicht, da es wahrscheinlich ist, dass sich ein deutliches Loch im Budget auftun wird", so Spörri.
Die neue Sparrunde könnte laut NZZamSonntag einen regelrechten Aderlass zur Folge haben: Bis zu 15 redaktionelle Stellen könnten gestrichen werden. Die Verschlankung würde dann einer Halbierung der Redaktion von 100 auf 50 Stellen seit dem Jahr 2000 entsprechen.
Mit einer neuerlichen Ausdünnung des Personalbestands könnte der "Qualitätstitel" Bund gemäss Spörri denn auch kaum in heutiger Form weiterbestehen: "Ich finde, es ist zuviel", klagt Spörri. "Das bisherige Konzept der Zeitung wäre so nicht mehr weiterzuführen." Tritt die Sparrunde in Kraft, müsste die Positionierung der beiden Titel Berner Zeitung und Bund grundsätzlich überdacht werden, so Spörri. Noch bei der letzten Sparrunde, der drei Vollzeitstellen zum Opfer fielen, hatte er gegenüber der Wochenzeitung gesagt, dass der Abbau "uns nicht umbringt".
Kommt die Budgetkürzung tatsächlich, gerät das "Berner Modell", das zur Rettung des Bunds lanciert worden war, wohl weiter unter Druck. Spörri jedoch macht sich dessen ungeachtet weiterhin für den Status Quo stark: "Es lohnt sich, das Berner Modell aufrechtzuerhalten. Ich würde mich auch unter weiteren Sparbedingungen für das Modell einsetzen."