Keine Tageszeitung ist jugendlicher

"Blick am Abend" - Mach Basic: Abendzeitung macht gute Figur.

Gemäss Mach Basic 2010-1 nimmt die Leserschaft von "Blick am Abend" in grossen Schritten zu, mit den aktuell 401'000 Lesern distanziert die Gratiszeitung ihren Vorgängertitel "Heute" um 110'000 Personen oder 38 Prozent – bloss zwei Jahre nach dem Brandwechsel.

Doch quantitatives Wachstum ist bekanntlich nicht alles. Es stellt sich die Frage, wie sich "Blick am Abend" qualitativ entwickelt hat und wie gut er den Muttertitel "Blick" ergänzt. So viel vorweg: "Blick am Abend" ist in mancher Hinsicht ein Erfolg – und zwar nicht nur, weil er der Marke "Blick" urbane und abendliche Leser zuführt. Dies war ja von der Distribution her nicht anders zu erwarten. Positiv ist die Entwicklung vor allem, weil sich "Blick am Abend" zunehmend vom "Blick" und andern Tageszeitungen abhebt, notabene auch von "20 Minuten".

Der Hauptunterschied zu allen andern Tages- und Sonntagszeitungen: "Blick am Abend" hat mit 52 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil junger Leserinnen und Leser (14-bis 34jährige). Die grossen regionalen Tageszeitungen erreichen nur gerade 19 bis 32 Prozent dieser Zielgruppe, der "Blick" kommt auf 35 Prozent, der "SonntagsBlick" auf 37 Prozent und "20 Minuten" auf 45 Prozent.

Mit seinem hohen Anteil jugendlicher Leser steht "Blick am Abend" übrigens wieder dort, wo einst der Vorgängertitel "Heute" war. Das ist nicht selbstverständlich, denn nach dem Brandwechsel sackte der Anteil der Jungen zunächst auf 45 Prozent ab. Seither aber wuchs die Zeitung nicht nur, sie legte in erster Linie bei der Jugend zu: 68'000 der 110'000 hinzugewonnenen Leser gehören dieser Zielgruppe an, so dass "Blick am Abend" heute insgesamt 210'000 Lesern im Alter von 14-34 erreicht.

So positiv diese Entwicklung für "Blick am Abend" auch ist, in absoluten Zahlen ist das junge Blatt natürlich auch in der jungen Zielgruppe nicht an der Spitze, immerhin aber gleichauf mit "Blick" (217000 junge Leser) und "SonntagsZeitung" (229000). Deutlich besser schneiden nur noch der "SonntagsBlick" mit 322 000 und "20 Minuten" mit 619 000 jungen Lesern ab.

"Blick am Abend" macht aber nicht nur als Einzeltitel, sondern auch als Ergänzung zu "Blick" eine gute Figur. Im Inseratekombi "Doppelpack" verschaffen die beiden Titel den Inserenten den Zugang zu total 947 000 Lesern, wobei der Anteil Jugendlicher 41 Prozent beträgt. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als der "Blick" solo (und vier Prozentpunkte weniger als "20 Minuten"). Zudem ist das Kombi auch etwas frauenaffiner als das männerlastige Ringier-Flaggschiff.

Angesichts des rasanten Reichweitenverlustes beim "Blick" bleibt aber die Hauptfrage, ob das abendliche Gratisblatt das kostenpflichtigen Pendant eher kannibalisiert oder stützt. Eine eindeutige Aussage dazu ist derzeit nicht möglich, doch es fällt auf, dass der "Blick" jüngst in jenen Regionen, wo das Gratisblatt aufliegt, weniger Reichweite verlor als in Gebieten ohne "Blick am Abend". Immerhin ein gutes Omen.

(Text: Markus Knöpfli)