Markus Somms Aussagen über Werbeboykotte versetzten die Medienbranche in Aufruhr (persoenlich.com berichtete). Was diese in der Praxis bedeutet, zeigen Recherchen der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an einem aktuellen Beispiel. Seit Frühling 2015 hat die Grossbank UBS keine einzige Anzeige in der «Finanz und Wirtschaft» mehr geschaltet.
Grund dafür ist die publizistische Linie der Tamedia-Publikation in der Debatte um die «Too-big-to-fail»-Gesetzgebung, wie informelle Kanäle bei der Bank laut «Schweiz am Sonntag» bestätigen. Die dezidierte Haltung der «Finanz und Wirtschaft» für eine Erhöhung der Eigenkapitalquote bei UBS und CS stosse der Konzernspitze der UBS derart sauer auf, dass die Zeitung mit einem Werbeboykott abgestraft werde.
Keine Stellungnahme
Offiziell kommentiert die UBS ihre Anzeigen-Politik nicht. «Finanz und Wirtschaft»-Chefredaktor Mark Dittli will den Werbeboykott der UBS «weder bestätigen noch dementieren». Auf Anfrage sagt er nur: «Richtig ist, dass wir seit längerem keine Anzeigen-Buchungen von der UBS haben». Beim Medienkonzern Tamedia heisst es, man kommentiere allfällige Auseinandersetzungen mit Werbekunden grundsätzlich nicht.
Kürzlich hat persoenlich.com die grössten Werbeauftraggebern in der Schweiz angefragt, was sie von Somms Aussagen halten. Auch die UBS wurde angefragt, wollte sich aber auch auftelefonischer Nachfrage nicht dazu äussern. (SchwaS)
Bild: Keystone