Neun von zehn Befragten sehen algorithmische Verzerrungen in sozialen Netzwerken sowie Fake News als bedeutende Faktoren für die öffentliche Meinungsbildung. 96 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Desinformationsproblematik in den vergangenen fünf Jahren verschärft hat. 97 Prozent stimmen zu, dass es für das Publikum zunehmend schwieriger wird, verlässliche von manipulierten Informationen zu unterscheiden.
Das zeigt der aktuelle Journalistinnen- und Journalisten-Barometer des Research-Instituts Marketagent, für den zwischen März und April 2026 insgesamt 579 Medienprofis aus der Schweiz, Deutschland und Österreich online befragt wurden.
In diesem Kontext gewinnen Medienmarken als Orientierungshilfe an Gewicht. 77 Prozent der Befragten glauben, dass die Marke eines Mediums für das Publikum künftig wichtiger wird. 69 Prozent beobachten diese Entwicklung bereits in ihrer journalistischen Praxis. Wenn es darum geht, glaubwürdige Informationen zu erkennen, orientiert sich das Publikum laut Einschätzung der Befragten vor allem an bekannten und etablierten Medienmarken (63 Prozent), journalistischen Persönlichkeiten (50 Prozent), der eigenen Medienkompetenz (48 Prozent) sowie an transparenten Quellenangaben (47 Prozent).
Als wichtigste Funktionen starker Medienmarken nennen die Befragten Einordnung und Kontextualisierung (62 Prozent), Orientierung im Informationsüberfluss (55 Prozent) sowie die Abgrenzung von Desinformation (53 Prozent).
Gegenüber dem Einfluss von KI zeigt die Studie eine gespaltene Haltung: 72 Prozent glauben, dass KI langfristig die Glaubwürdigkeit journalistischer Inhalte untergräbt. Gleichzeitig erwarten 68 Prozent, dass sich Medienmarken in einer KI-dominierten Informationswelt stärker differenzieren werden.
Bei der Frage nach einer Renaissance klassischer Medienmarken zeigt sich eine Ambivalenz: Knapp jede zweite befragte Person (47 Prozent) glaubt an eine Wiederkehr klassischer Medien, wobei Vertrauen und Glaubwürdigkeit (63 Prozent) sowie Qualität und Tiefe der Inhalte (55 Prozent) als entscheidende Treiber gelten. Gleichzeitig halten 66 Prozent dieses Szenario zumindest teilweise für Wunschdenken. Das wahrscheinlichste Zukunftsbild: Qualitätsjournalismus wird zum Nischenangebot für eine informierte Minderheit (33 Prozent). (pd/cbe)