Das Schweizer Fernsehen will 2009 einen eigenen Kinderkanal lancieren. "Wir bereiten eine Eingabe an die Generaldirektion der SRG vor", sagt Gabriela Amgarten, Abteilungsleiterin Unterhaltung bei SF, am Mittwoch in der Basler Zeitung.
Damit wäre ein verlässliches Kinder-Programm bis am Vorabend sichergestellt. Danach könnte der Sender zum Rätoromanen-Kanal werden. Derselbe Vorschlag wurde bereits letztes Jahr an SRG-Generaldirektor Armin Walpen herangetragen. Nachdem der Bundesrat die geforderte Erhöhung der Empfangsgebühren von 6,5 auf 2,5 Prozent gekürzt hatte, legte die SRG das Projekt auf Eis.
SF plant Alleingang
Nun soll es auch ohne Gebührenerhöhung gehen. "Das Budget müsste nur leicht erhöht werde", so Amgarten gegenüber der Zeitung. Stand beim ersten Anlauf ein Schweizer Programmfenster von KI.KA zur Debatte, so wird jetzt auch ein Alleingang diskutiert und durchgerechnet. Der deutsche Kinderkanal KI.KA wurde vor zehn Jahren von ARD und ZDF lanciert und ist auch hierzulande empfangbar. Der werbefreie Sender bietet Kinder-TV mit Bildungsanspruch.
Einen Teil der Mehrkosten soll der geplante SF-Kanal durch Werbung und Sponsoring wieder einspielen. Anders als beim werbefreien KI.KA will das Schweizer Fernsehen laut Bericht weiterhin keine Einschränkungen akzeptieren -- womit TV-Spots von Mc Donalds und Co. weiterhin im Kinderprogramm bleiben dürften.
Kritik an SF-Kinderprogramm
Bewilligt die SRG im Frühjahr das Projekt, muss sie beim Bakom eine Konzession beantragen. Eine Studie im Auftrag des Bakom aber stellt dem SF-Kinderprogramm ein schlechtes Zeugnis aus: Die Experten erkannten "kaum bildende Elemente" im Programm -- der Bildungsauftrag werde nicht genügend erfüllt. Der Publikumsrat hat das Programm nach dem Relaunch von Anfang Jahr unter dem neuen Label "tubii" ebenfalls begutachtet und sich der Kritik angeschlossen.
Die Experten sehen noch weitere Schwierigkeiten: Die verlängerten Sendezeiten müssten gefüllt werden -- da bestehe die Gefahr, dass noch mehr und schlechtere Produkte eingekauft werden. Studienmitverfasser Heinz Bonfadelli, Publizistik-Professor in Zürich, fordert in der Basler Zeitung: "Kinder haben neben Massenunterhaltung auch ein Recht auf qualitativ anspruchsvolle und bildungsorientierte Sendungen." Dieses sei gestützt auf die Bundesverfassung wieder verstärkt einzufordern.
Amgarten betont, "tubii" biete Qualität -- und versteht darunter neben den Eigenproduktionen auch populäre Serien wie "Spongebob" oder "Kim possible". Mit einem gut gemeinten Programm nach den Vorstellungen von Erwachsenen dagegen könne man die Kinder schlecht erreichen: "Das haben unsere Marktforschungsstudien klar gezeigt", so Amgarten gegenüber der Basler Zeitung.