Klage gegen den "SonntagsBlick"

Sacha Wigdorovits - Der ".ch"-Verleger im Interview.

Im Konkurrenzwettbwerb der Gratiszeitungen wird mit harten Bandagen gekämpft. Wie ".ch"-Verleger Sacha Wigdorovits im Interview mit "persoenlich.com" ankündigt, will er nun Riniger verklagen. Er wirft dem Medienhaus Konzern-Journalismus vor: Der "SonntagsBlick" habe mit "unwahren Behauptungen" seinen Verlag gezielt diffamiert. Von seinem juristischen Vorstoss erhofft sich der Neo-Verleger, die Verunsicherung im Werbemarkt zu zerstreuen.

Herr Wigdorovits, in der Branche herrscht einige Unsicherheit über ".ch". Hat Ihr ursprüngliches Distributionskonzept nicht funktioniert?

Doch, es funktioniert. Wir hatten zu Beginn zwar erhebliche Schwierigkeiten bei gewissen Standorten, aber ".ch" ist heute mit über 250'000 frühmorgens nach Hause gelieferten Exemplaren die grösste hausverteilte Zeitung der Schweiz. An der Verunsicherung sind wir selber schuld, weil wir in den letzen Wochen und Monaten zu wenig aktiv kommuniziert haben. Unsere Mitbewerber hatten deshalb leichtes Spiel, um die Verunsicherung im Markt zu schüren.

".ch" hat bloss ein Kommunikationsproblem?

Wir hatten anfänglich auch Vertriebsprobleme, aber diese haben wir inzwischen gelöst. Doch unsere Kommunikation war ungenügend. In den vergangenen zwei Wochen haben wir deshalb mit Werbern, Kunden und Mediaplanern zahlreiche Gespräche geführt und tun dies auch weiterhin. Dabei erklären wir detailliert, was in den vergangenen Wochen und Monaten in Sachen Vertrieb gelaufen ist, wie wir die anfänglichen Probleme gelöst haben und wie wir weiter vorgehen. Dabei haben wir insbesondere auch ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass die Hausfrühzustellung für ".ch" weiterhin der Hauptvertriebskanal bleiben wird, auch wenn wir die Verteilung über den öffentlichen Verkehr ebenfalls weiter ausbauen.

In den Städten sind die filigranen Ständer von ".ch" kaum mehr zu sehen.

Wir haben beim Start ja längst nicht überall diese Displays aufgestellt, sondern nur bei Liegenschaften, wo es keine andere Möglichkeit gab, ".ch" auf saubere Art und Weise offen hinzulegen. Aber es ist richtig, dass bei zahlreichen Häusern, bei denen wir zunächst Displays aufgestellt haben, diese später dann entfernt wurden. Bei diesen Liegenschaften führen wir seit Anfang Jahr eine Milch- und Briefkastenzustellung durch. Damit ist die Zustellung auf eine saubere Art und Weise weiterhin gewährleistet.

Werden die Ständer also verschwinden?

Nein. Dort, wo wir die Displays nach wie vor einsetzen, funktionieren sie sehr gut, sie sind beliebt und sauber. Das attestieren uns im Übrigen auch Hausabwarte. Vielerorts führen wir deshalb Gespräche mit Liegenschaftsverwaltungen und -Besitzern, um sie dazu zu bewegen, dass sie diese Ständer wieder akzeptieren. Jetzt, wo wir belegen können, dass die Verteilung über die Displays funktioniert, geht das besser. Solche Gespräche brauchen allerdings Zeit. Deshalb werden wir bei den Liegenschaften, die ein Display benötigen, die Milch- und Briefkastenzustellung so lange fortführen, bis wir wieder eine offene Zustellung vornehmen dürfen.

Sie stellen Ihre Zeitung den Hausbesitzern also ungefragt zu?

Wir haben Flyer verteilt. Jene Haushalte, die ".ch" nicht wollen, können ihren Briefkasten mit einem Punkt markieren, um die Zustellung zu stoppen. Weniger als zehn Prozent haben bisher davon Gebrauch gemacht.

Die Umstellung in der Distribution ist mit grossen Kosten verbunden. Sind Ihre Investoren noch gewillt, zusätzliches Geld in Ihr Projekt zu pumpen?

Ich habe die Anpassung des Distributionskonzepts mit der teilweisen Milch- und Briefkastenzustellung dem Verwaltungsrat präsentiert -- mit dem entsprechenden Budget. Der Verwaltungsrat hat es unisono durchgewunken. Die Investoren stehen nach wie vor voll hinter unserem Projekt stehen. Sie sind überzeugt, dass wir unseren Marschplan einhalten und innerhalb der nächsten drei Jahre Marktführer werden. Uns kommt dabei auch zu Gute, dass wir im Businessplan sehr konservativ gerechnet und Reserven vorgesehen haben. Man kann ein solches Projekt nie realisieren, ohne dass Unvorhersehbares passiert.

Zur Verunsicherung beigetragen hat auch die Presse. Der "SonntagsBlick" schrieb vor kurzem, ein Teil der Auflage von ".ch" lande im Müll. Was ist -- aus Ihrer Sicht -- dran an dieser Geschichte?

Das war ja nicht der erste diffamierende Artikel des "SonntagsBlick". Aber er war besonders heimtückisch und enthielt zahlreiche Unwahrheiten, die den Werbemarkt verunsichert haben. Dahinter stehen natürlich die Interessen des Ringier-Konzerns als Herausgeber von "heute" und "Blick", zumal der Chefredaktor des "SonntagsBlick" als Redaktionsdirektor von Ringier Schweiz auch für diese beiden Blätter mitverantwortlich ist. Wir machen deshalb eine Strafanzeige wegen Verletzung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.

Sie haben bereits der "Werbewoche" gedroht, juristisch gegen sie vorzugehen. Man könnte Ihnen dies auch als Zeichen der Schwäche auslegen.

Das Gegenteil ist richtig. Es wäre ein Zeichen der Schwäche, wenn wir auf unwahre Berichte, die einzig zum Ziel haben, den Werbemarkt zu verunsichern und ".ch" zu diskreditieren, nicht reagieren würden. Die meisten Auftraggeber, Mediaplaner und Werber, denen ich unsere Strafanzeige gegen den "Sonntagsblick" angekündigt habe, fanden dies deshalb einen guten Schritt. Ich habe nichts gegen Wettbewerb, aber es gibt gesetzliche Rahmenbedingungen, die eingehalten werden müssen. Jetzt soll das Gericht beurteilen, ob der "Sonntagsblick", diese Regeln eingehalten hat oder nicht.

Zurück zum Tagesgeschäft: ".ch" hat deutlich weniger Anzeigen als der Hauptkonkurrent "News".

Entscheidend ist doch die Frage: Wie viele Anzeigen sind in welchem Medium bezahlt. Ich will aber gar nicht verhehlen, dass wir anzeigenmässig noch nirgends sind. Allerdings haben wir nichts anderes erwartet.

Weshalb?

Wir sind neu im Markt und haben noch keine offiziellen Leserzahlen. Da sind die Mediaplaner und Auftraggeber verständlicherweise vorsichtig. Zudem sind Januar und Februar ohnehin nicht besonders anzeigenstarke Monate.

Liegt die Zurückhaltung der Anzeigenkunden nicht vielmehr daran, dass der Markt derzeit überschwemmt wird mit Gratiszeitungen?

In der Tat: Der Deutschschweizer Markt verträgt nicht vier Gratis-Tageszeitungen. "News" und "heute" sind überflüssig. Aber für zwei nationale Gratiszeitungen hat es Platz, und die Werbewirtschaft weiss ganz genau, dass eine solche Konkurrenzsituation für sie positiv ist, weil sie zu tieferen Anzeigenpreisen führt. Es gibt also keinen Grund zu Beunruhigung, zumal unser Produkt bei allen sehr gut ankommt. Wir müssen einfach geduldig auf unserem Weg weiter gehen. Bei "20 Minuten" dauerte es seinerzeit auch fast zwei Jahre, bis die Werbewirtschaft begann, das Blatt als wirksame Marketingplattform zu akzeptieren. Dies wird bei uns nicht viel anders sein -- und das wissen auch unsere Investoren.

(Interview: David Vonplon)