Sie kamen, sahen, probierten - und legten ihn wieder beiseite: In den ersten Wochen nach dem Blick-Relaunch machten die Werbekunden wohl ein paar Tests mit dem grossen Format doch die Nachfrage erlahmte schnell.
Als der Blick am 14. Oktober zu seinem 50. Geburtstag das Pendlerzeitungsformat ablegte und wieder als Broadsheet-Zeitung erschien, hegte man bei Ringier die Erwartung, dass das grössere Format nicht nur den Lesern, sondern auch den Werbekunden stärker zusagen würde. «Auch der Werbemarkt hat positiv auf das wieder grössere Format reagiert, in dem Anzeigen eine deutlich stärkere Wirkung haben», liess die Kommunikationsabteilung gleichentags per Communiqué verlauten. Doch man hatte sich zu früh gefreut. Ein Run der Werbekunden auf das grössere Format blieb aus. Dies geht aus der Wemf-Inseratestatistik hervor.
Kurzfristig konnte der grosse Blick zwar einen Erfolg verbuchen: Hatte der kleine Blick in den ersten Oktobertagen noch ein durchschnittliches Anzeigenaufkommen von 4,6 Tabloid-Werbeseiten pro Ausgabe, so konnte der Broadsheet-Blick in der zweiten Hälfte Oktober das Werbevolumen nahezu auf 8,9 Inserateseiten pro Ausgabe verdoppeln. Danach aber flaute das Interesse rasch wieder ab: Schon im November kam der Broadsheet-Blick nur noch auf 6 Anzeigenseiten pro Ausgabe wenig, wenn man bedenkt, dass der Preis für ein 1/1-Tabloid-Inserat (24 539 Franken) bis Ende Jahr auch für ganzseitige Broadsheet-Inserate beibehalten wurde. Im Dezember kam dann die kalte Dusche: Trotz Weihnachtsgeschäft wies der grosse Blick bloss 5,8 Inserateseiten pro Ausgabe aus, etwa gleich wenig wie das Durchschnittsvolumen des Tabloid-Blick in den neun Monaten vor dem Relaunch (Januar bis September 2009: Ø 5,5 Seiten).
Ein kleiner Trost bleibt für Ringier: Sollte das Werbevolumen beim Blick auch dieses Jahr (bloss) stabil bleiben, wächst wenigstens der Umsatz. Denn der Blick-Verlag hat per Januar 2010 den Tarif pro 1/1-Anzeige auf 25 300 Franken erhöht (+3,1 Prozent). (Text: Markus Knöpfli)