Wer im aktuellen NET-Metrix-Audit die Klickzahlen auf nzz.ch überprüfen will, sucht vergebens: Die Juli-Zahlen der NZZ fehlen. "Was ist der Grund?", fragte Anfang Woche @medienspiegel über Twitter. Die Antwort von Peter Hogenkamp liess nicht lange auf sich warten: "Übliche Relaunch-Nachwehen", so der Leiter Digitale Medien der NZZ. Die Angelegenheit scheint nachvollziehbar: Newsseite-Überarbeitungen führen oftmals dazu, dass die Nutzerzahlen nach der Umstellung sinken, sich dann aber bald wieder auf gewohntem Niveau einpendeln. Deshalb bietet das Internet-Nutzungsforschungnehmen Netmetrix den Kunden die Möglichkeit, ohne Begründung für maximal drei Monate jährlich auf die Daten-Publikation zu verzichten.
Netmetrix-Pause ist ungewöhnlich
Nun machte also die NZZ von diesem Angebot Gebrauch. "Auf Wunsch der NZZ hat Netmetrix die Juli-Daten nicht publiziert", bestätigt Projektleiter Benjamin Freuler auf Anfrage von persoenlich.com. Ein solcher Aussetzer ist ungewöhnlich. Wie Recherchen von persoenlich.com ergaben, hatte es bei den grossen Newsseiten seit Längerem keinen "Aussetzer" mehr gegeben. Weder bei 20min.ch, noch bei Blick.ch sind Lücken im Netmetrix-Audit auszumachen, obwohl zum Beispiel Blick.ch gerade erst vor einem halben Jahr ebenfalls einen grossen Relauch durchgeführt hatte (vgl. netreport.net-metrix.ch). Und die Pause von Newsnet liegt weit zurück: Im August 2008 setzte tagesanzeiger.ch die Publikation aus. Auch a-z.ch und luzernerzeitung.ch oder lematin.ch haben bereits für einen Monat ausgesetzt, doch Freuler von Netmetrix erklärt: "Netmetrix-Aussetzer sind klar die Ausnahme."
Google-Traffic muss sich zurecht ruckseln
Die Tatsache, dass die NZZ für den Juli einen Publikationsstopp verlangte, weist darauf hin, dass die Klickzahlen deutlich unter den Erwartungen liegen. Dies erstaunt: Denn eigentlich verfügt die alte Tante nach der Fusion der beiden Redaktionen von NZZ-Online und NZZ-Print seit Juni 2012 über die grösste Redaktion der Schweiz: Rund 200 Journalisten schreiben nun für nzz.ch. Wie also begründet das Traditionshaus diesen Publikationsstopp? "Der Google-Traffic ist noch dran, sich nach dem Relaunch technisch wieder zurechtzuruckseln", erklärt Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien, auf Anfrage von persoenlich.com. Und er führt weiter aus: "Man hat teilweise eine neue URL-Struktur, muss gewisse Umleitungen noch anpassen etc." Das Thema kenne fast jeder, der schon einmal einen grossen Relaunch gemacht habe: "Es gibt häufig einen Traffic-Dip, und dann geht's wieder aufwärts."
Peter Hogenkamp kann weiterhin ruhig schlafen
"Wenn man uns nun fragt, wie gross der Rückgang ist, sagen wir es natürlich nicht, sonst hätten wir es ja auch publizieren können", so Hogenkamp weiter. Die Tatsache, dass er in seinen Ausführungen von einem "Rückgang" spricht, umreisst jedoch die Charakteristik der Probleme, die die NZZ derzeit zu bewältigen hat. Für den Digitalchef ist der Klickzahlen-Einbruch nach dem Relaunch jedoch nicht dramatisch: "Es ist aber bei weitem nicht so viel, dass ich nicht ruhig schlafen könnte." Der Juli sei generell newsmässig eher ein Flaute-Monat gewesen, ausser der Fussball-EM und Olympia. Ausserdem profitiere die NZZ von grossen Sportereignissen leider bisher noch nicht so stark wie die anderen Newsportale. Das zu ändern sei eine sowohl technische, wie auch redaktionelle Pendenz. "Das geht nicht von heute auf morgen", so Hogenkamp.
Redaktion nimmt laufend Anpassungen vor
Die Redaktion ihrerseits sieht sich durch die gesunkenen Leserzahlen auch nicht zu übereiltem Handeln gezwungen, beobachtet die Entwicklung aber genau und nimmt laufend Anpassungen vor: "Das Konvergenz-Projekt der NZZ ist noch jung. Unabhängig von den diversen quantitativen Auswertungen, die uns selbstverständlich auch interessieren müssen, sind wir laufend daran, unsere publizistische Leistung zu optimieren", erklärt Luzi Bernet, stellvertretender Chefredaktor, gegenüber persoenlich.com. "Seit dem Relaunch von nzz.ch sind diverse neue Gefässe geschaffen und bestehende verbessert worden. In diesem Rhythmus geht es weiter."
Laut Digitalchef Hogenkamp rechnet die NZZ damit, dass der Netmetrix-Unterbruch nur temporär ist und die alte Tante im nächsten Netmetrix-Audit wieder vertreten sein wird: "Ich gehe davon aus, dass wir den August bei Netmetrix dann wieder ausweisen." (eh)