27.03.2007

Tamedia

Konzerngewinn um fast ein Viertel gesteigert

Zeitungsgeschäft deutlich gewachsen.

Am Dienstag lud die Tamedia zur jährlichen Bilanz-Medienkonferenz. Verwaltungsratspräsident Hans Heinrich Coninx, Martin Kall, Vorsitzender der Unternehmensleitung, und Christoph Tonini, Leiter Finanzen & Services konnten eines der besten Geschäftsergebnisse der vergangenen letzten 25 Jahre präsentieren. Dem entsprechend gut gelaunt präsentierten die drei den Jahresabschluss 2006.

Im Geschäftsjahr 2006 erzielte Tamedia einen deutlichen Anstieg des Umsatzes (Betriebsertrag) um 11 Prozent auf 724 Millionen Franken (2005: 650 Millionen Franken). Dafür verantwortlich sind vor allem das Wachstum bei den Stellenanzeigen und bei 20 Minuten sowie die Integration der Thurgauer Zeitung. Zusammen mit der erstmaligen Vollkonsolidierung der Huber PrintPack AG (vormals Meier Waser Druck AG) führte dies zu einem Umsatzanstieg von 73,5 Millionen Franken. Mit einem Konzernergebnis von 98 Millionen Franken (2005: 80 Millionen Franken) stieg der Gewinn um 23 Prozent.

Zeitungsgeschäft mit deutlichstem Umsatzanstieg

Der Geschäftsbereich Zeitungen steigerte den Umsatz (Betriebsertrag) um gut 10 Prozent auf 492 Millionen Franken. Dieser Anstieg ist in erster Linie auf die Integration der Thurgauer Zeitung und auf das Umsatzwachstum bei 20 Minuten und den Stellenanzeigen zurückzuführen. Die im März 2007 neu gestartete Westschweizer Pendlerzeitung 20 minutes trug ebenfalls signifikant zum Umsatzwachstum bei, während die vier neuen Regionalausgaben des Tages-Anzeigers auf Grund ihrer Lancierung im November 2006 erst einen geringen Einfluss auf den Umsatz hatten. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) stieg mit rund 18 Prozent auf 89,6 Millionen Franken.

Martin Kall zeigte sich mit der Entwicklung von 20 Minutes und den Tagi-Regionalsplits sehr zufrieden. Allerdings machte er auch darauf aufmerksam, dass diese Investitionen auf der Aufwandseite in der Rechnung für das Jahr 2007 mehr einschlagen, weil diese Titel dann nicht nur für 10 bzw. 2 Monate sondern für die ganzen 12 Monate Eingang in die Ergebnisse finden werden. Bei den Regionalsplits hat man sich laut Kall vorgenommen, in 3 bis 5 Jahren den Break-Even zu schaffen.

Das Magazin erstmals mit Gewinn -- Sorgenkind Facts

Der Unternehmensbereich Zeitschriften weist einen um 5 Prozent auf 91,7 Millionen Franken gestiegenen Umsatz aus. Das EBITDA stieg mit rund 4 Prozent unterdurchschnittlich auf 7,0 Millionen. Franken. Träger des Wachstums sind vor allem der Zeitschriftenverlag der Huber & Co. AG sowie Annabelle und Schweizer Familie. Bemerkenswert ist, dass Das Magazin nicht nur die Leserzahlen steigern konnte, sondern zum ersten Mal seit der Gründung schwarze Zahlen schreibt.

Die Umsätze von Facts waren hingegen leicht rückläufig. Wie Martin Kall erklärte, belasten auch die Kosten für den Relaunch das Ergebnis weiter stark. Man habe größere Investitionen tätigen müssen, als vorgesehen. Mit dem Nachrichtenmagazin habe man noch ein gutes Stück Weg vor sich. So lange man davon überzeugt sei, dass das Verbesserungspotential noch nicht ausgeschöpft sei, halte man am Titel fest. Facts müsse aber bei den Zahlen zulegen. Beim Magazin habe sich gezeigt, dass sich Geduld auszahlt. "Das bedeutet aber nicht, dass wir bei Facts noch 30 Jahre warten wollen", so Kall.

Wachstum im Bereich Online -- Radiomarkt rückläufig

Der Geschäftsbereich Elektronische Medien steigerte seinen Umsatz gegenüber Dritten um mehr als 16 Prozent auf 58,7 Millionen Franken. Das Umsatzwachstum ist laut Tamedia vor allem auf die positive Entwicklung im Online-Stellenmarkt, bei 20minuten.ch sowie bei TeleZüri und Radio Basilisk zurückzuführen. Hauptsächlich die Investitionen in Piazza.ch sowie die unbefriedigende Ertragsentwicklung von TeleZüri und Radio 24 führten jedoch zu einem um 16 Prozent tieferen Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von 4,0 Millionen Franken. Insbesondere der Radiomarkt entwickelte sich 2006 rückläufig.

Bei Radio 24 sprach Martin Kall von einem hausgemachten Problem, ohne näher darauf einzugehen. Konsequenz war, dass das ganze Verkaufsteam ausgewechselt wurde. Auf die schlechten Ergebnisse im Radio-Bereich hat Tamedia auch mit der Gründung der Radio Vision reagiert -- eine gemeinsame Radiovermarkterin von Radio Basilisk, Basel 1 und dem deutschen Sender Radio Regenbogen. Zudem erhofft man sich viel von der neuen Vermarktung des Swiss Radio Pool durch die publisuisse.

Ausblick: Wachstum im Werbemarkt

Für 2007 rechnen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Tamedia geht deshalb von nur leicht steigenden Ausgaben für kommerzielle Anzeigen aus. Durch die fortschreitende Erholung am Arbeitsmarkt geht nach Einschätzung von Tamedia das Wachstum der Stellenanzeigen als Hauptumsatzträger im Rubrikengeschäft weiter, die Zunahme bleibe aber gegenüber früheren Konjunkturzyklen unterdurchschnittlich. Weiterhin eine positive Entwicklung sieht das Medienunternehmen für die Online-Werbung, die über das Wachstum der kommerziellen Werbung hinaus von einer Verlagerung der Rubrikenanzeigen aus dem Print-Geschäft profitiere.

Da sich laut Martin Kall die Investition in eine grössere Online-Redaktion bei 20minuten.ch mit einer Verfierfachung der Unique Clients pro Monat als lohnend gezeigt hat, habe man bei Tamedia im Online-Bereich Appetit auf mehr. Man wolle nun prüfen, wie man für andere Titel publizistisch und wirtschaftlich erfolgreiche Online-Auftritte gestalten könne.

Verwaltungsratspräsident Hans Heinrich Coninx leitete die jährliche Bilanz-Medienkonferenz zum letzten Mal. Bereits im Sommer 2005, anlässlich seines 60. Geburtstages, gab Coninx bekannt, dass er an der Generalversammlung 2007 von seinen Funktionen als Verwaltungsratspräsident und Verleger des Zürcher Medienunternehmens Tamedia zurückzutreten werde. Als sein Nachfolger wird Dr. Pietro Supino zur Wahl vorgeschlagen.


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