Zwei niederländische Journalisten sind von dem Vorwurf freigesprochen worden, mit dem heimlichen Filmen eines Kriegsverbrechers gegen deutsche Gesetze verstossen zu haben. Ein Gericht in Eschweiler bei Aachen gab ihnen am Donnerstag darin recht, dass das öffentliche Informationsinteresse in diesem Fall höher zu bewerten sei. Die beiden Reporter hatten erklärt, sie hätten nach ihrer Überzeugung nichts Unrechtes getan. Auch die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin Freispruch. Sie hatte den beiden "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Hausfriedensbruch" vorgeworfen.
Der 90 Jahre alte einstige SS-Mann Heinrich Boere verbüsst mittlerweile in einem Gefängnis-Spital in Nordrhein-Westfalen eine lebenslange Haftstrafe wegen dreifachen Mordes. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters hatte 1944 als Mitglied des SS-Mordkommandos "Feldmeijer" in den besetzten Niederlanden drei Zivilisten erschossen.
Jahrzehntelang unbehelligt
Boere hatte jahrzehntelang unbehelligt in Deutschland gelebt, obwohl er in den Niederlanden bereits kurz nach dem Krieg als Mörder verurteilt worden war. 2009 besuchten ihn zwei Reporter des niederländischen Fernsehmagazins "EenVandaag" im Altenheim in Eschweiler und befragten ihn mit versteckter Kamera. Dafür wurden sie von Boeres Anwalt angezeigt. Die Anklageerhebung beim Amtsgericht Eschweiler gegen Jelle Visser und Jan Ponsen stiess in den niederländischen Medien auf Verwunderung und Kritik.
Günter Wallraff, der bekannteste deutsche Undercover-Reporter, zeigte sich am Donnerstag erfreut über den Freispruch. Er empfinde "grosse Genugtuung", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Wir leben in einem Rechtsstaat, und es gibt sensible Richter, die hier eine Rechtsgüterabwägung vorgenommen haben." Wallraff hatte sich zuvor für die beiden Journalisten eingesetzt. Bei einer Verurteilung hätten in den Niederlanden wieder alle Deutschen unter Generalverdacht gestanden, sagte er.
Die Tochter eines der Opfer Boeres, Anny Schröder Schilte, sagte am Mittwochabend gegenüber "EenVandaag", sie sei den beiden Reportern dankbar. Denn der Täter habe erst durch ihre Reportage für sie ein Gesicht bekommen. Das sei für sie wichtig gewesen. (sda/dpa)