Herr Coninx, Sie verlassen die Zeitung "Finanz und Wirtschaft" nach neun Jahren. Wenn Sie zurückblicken: Was sind Meilensteine Ihrer Zeit beim Verlag?
Ich möchte die neusten zwei speziell hervorheben , da sie für die Zukunft von grosser Bedeutung sind. 2012 haben wir gemeinsam mit Mark Dittli und dem gesamten FuW-Team das Zwei-Bundkonzept eingeführt und den neuen digitalen Auftritt lanciert.
Seit einigen Jahren hat es die Wirtschaftspresse schwer. Mit ein Grund, dass Sie sich neu orientieren?
Nein – überhaupt nicht. Nach neun Jahren "FuW" und im 43. Lebensjahr habe ich den Wunsch im Leben etwas Neues von Grund auf anzupacken und umzusetzen.
"Stocks" wurde soeben eingestellt. Wie steht es um die "Finanz und Wirtschaft"?
Krisenjahre sind für alle Printmedien schwierig, besonders aber für Finanztitel wie wir einer sind. Wir waren deshalb gezwungen im Herbst vergangenen Jahres die Finanz und Wirtschaft zu restrukturieren. Wir gehen davon aus, dass wir nun gut aufgestellt sind.
Was muss eine Wirtschaftszeitung unternehmen, um für die Zukunft richtig aufgestellt zu sein?
Sie muss dem Leser Qualität und Glaubwürdigkeit bieten. Das heisst für unser Segment: Analyse, Hintergrund und Meinung zu Finanz- und Wirtschaftsthemen. Der strukturelle Wandel hin zu Digital ist bei Finanzmedien schon weit fortgeschritten. Wir investieren bereits heute viel in die Verbreitung unserer Inhalte über die digitalen Kanäle.
Wer wird Ihr Nachfolger? Haben Sie einen Favoriten?
Wer die Nachfolge antritt ist noch völlig offen – wir werden zu gegebener Zeit orientieren. Der Wunschkandidat sollte in meinen Augen unter anderem folgendes Profil haben: Interesse und Kenntnisse der Finanzbranche mitbringen und ein existierendes Kontaktnetz in unserem Segment haben.
Sie treten erst Ende des Jahres ab – was wollen Sie bis dahin noch erreichen mit der "Finanz und Wirtschaft"?
Ich möchte die Zeit bei der "FuW" mit einem erfolgreichen Geschäftsjahr abschliessen.
Warum kommunizieren Sie Ihren Abgang bereits jetzt?
Damit wir uns nun in aller Ruhe auf die Nachfolgeregelung konzentrieren können und den Übergang fliessend gestalten können.
Sie waren viele Jahre für Medienhäuser tätig. Haben Sie genug von dieser Branche?
Nein. Die Branche übt auf mich nach wie vor eine grosse Faszination aus. Einerseits bin ich durch meine Familie eng mit dem Unternehmen Tamedia verbunden, andererseits werde ich beruflich mit grosser Wahrscheinlichkeit im weiteren Medienumfeld tätig sein. Die Definition Medien geht ja heute schon sehr weit.
Was für konkrete Pläne haben Sie?
Dazu werde ich mich gerne zu gegebener Zeit äussern.
In der Pressemitteilung heisst es, dass Sie künftig als Unternehmer tätig sein werden. Was reizt Sie am Unternehmertum?
Was meine Pläne anbelangt: Etwas von Beginn weg umzusetzen und mitgestalten und dabei hoffentlich auch Erfolg haben.
Interview: Corinne Bauer.