Die Wahl Achille Casanovas zum Ombudsmann der SRG sorgt für Knatsch. Wie die NZZ am Sonntag schreibt, rege sich bei Publikumsrat und quer durch die Parteien der Unmut über die SRG. Casanova, Vizekanzler und Bundesratssprecher, war am Donnerstag vom Publikumsrat zum Nachfolger von Otto Schoch als Ombudsmann gewählt worden.
Natalie Rickli, Mitglied des Publikumsrats und Winterthurer SVP-Gemeinderätin, monierte gegenüber der NZZaS, dass das Gremium erst zwei Tage vor der Wahl über den einzigen Kandidaten informiert worden sei. Ausserdem seien die Publikumsräte dazu angehalten worden, mit niemandem über die Kandidatur Casanovas zu sprechen. "Es war mir nicht möglich, mit meiner Partei Rücksprache zu nehmen", so Rickli in der NZZaS. Stossend sei jedoch vor allem gewesen, dass der Rat keine Auswahl gehabt habe.
Gregor A. Rutz, Generalsekretär der SVP, spricht gegenüber der NZZaS von "Zuständen wie in der Sowjetunion". SRG-Generaldirektor Armin Walpen habe sich den Ombudsmann aus seiner Partei, der CVP, geholt, um sich vor kritischen Fragen zu schützen, ist sich Rutz sicher. Er kündigte parlamentarische Vorstösse und die Einrichtung einer Arbeitsgruppe an, die sich der SRG annehmen werde. Die SVP werde deren Verfilzung nicht mehr länger hinnehmen, lässt er sich von der NZZaS zitieren.
Nationalrat Hans-Jürg Fehr, Präsident der SP Schweiz, erklärte gegenüber der NZZaS, dass intransparente Wahlen bei der SRG Tradition hätten; das sei ganz klar eine Schwäche. Für FDP-Nationalrat Peter Weigelt ist die Wahl ein weiterer Beleg dafür, dass der Publikumsrat "ein instrumentalisiertes Feigenblatt der SRG" sei.