Es fehlt am Geld, am TV-Sender und somit gibt es keine Zukunft: 2012 wird keine neue Miss Schweiz gewählt, weil rund 300'000 Franken fehlen (persoenlich.com berichtete). Dass die Wahl in diesem Jahr ins Wasser fällt, betrifft nicht nur die Miss-Schweiz-Organisation selber, sondern auch Sponsoren und Boulevard-Formate, die jeweils ausführlich über die Ernennung der schönsten Schweizerin berichten. In der aktuellen "Schweizer Illustrierten", welche seit 1993 Medienpartnerin der Miss Schweiz ist, findet sich neben der Titelgeschichte - einem mehrseitigen Interview mit Ex-Miss Melanie Winiger - eine Kolumne zum Thema. Darin äussert sich Publizist und Ex-SI-Chefredaktor Peter Rothenbühler sehr pointiert und spart dabei nicht mit Kritik an der SRG. "Nicht das Publikum hat die Miss-Wahlen satt, sondern das Schweizer Fernsehen", schreibt er. persoenlich.com konfrontierte in einem Kurzinterview den SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel mit den Vorwürfen:
Herr Gebel, wie überrascht waren Sie von der Nachricht, dass es 2013 keine Miss-Schweiz-Wahl mehr geben wird?
Wir haben die Nachricht zur Kenntnis genommen.
Der SRG wird vorgeworfen, die Misswahlen mutwillig totgeschlagen zu haben. Inwiefern war Ihnen beim Entscheid bewusst, dass dies der Todesstoss war?
Der Entscheid wurde nicht von mir allein gefällt, sondern von den Abteilungsleitenden Unterhaltung von RTS, RSI und SRF. Dem Entschluss, die Miss-Wahl nicht mehr zu zeigen, gingen viele Analysen und Gespräche, auch mit unseren damaligen Partnern von der Miss-Schweiz-Organisation voraus. Der Entscheid wurde keinesfalls leichtfertig gefällt, gerade auch im Wissen um die Tradition des Anlasses. Für den Umstand, dass dieses Jahr offenbar keine Miss-Schweiz-Wahl stattfindet, kann aber nicht SRF oder eine der beiden anderen Unternehmenseinheiten der SRG verantwortlich gemacht werden.
Das sehen nicht alle so: Peter Rothenbühler z.B. schreibt in der aktuellen "Schweizer Illustrierten", dass die SF-Unterhaltungsabteilung schon seit Jahren die Miss-Wahlen schlecht inszeniert hat, dass es eine "langweilige, sterile Vorstellung von braven Engelein" war.
Ich werde mich nicht zu der Art und Weise äussern, wie meine Vorgänger die Sendung gemacht haben. Fakt ist einfach, dass das Konzept und das Businessmodell der Miss-Schweiz-Wahl überholt und nicht mehr zeigemäss waren, damit lässt sich heute nicht mehr erfolgreich sein. Mir ist es zudem wichtig, festzuhalten, dass mit den Organisatoren der Miss-Schweiz-Wahl bereits im Juni 2011, also vor der letztjährigen Ausgabe, Gespräche stattfanden, wo es darum ging, die Show ab 2012 gänzlich umzubauen.
Worum ging es bei diesen Gesprächen?
Wir haben den Umbau in eine tolle Casting-Show vorgeschlagen. Letztlich war es aber die Miss-Schweiz-Organisation, die wenig Interesse an dieser Veränderung hatte und lieber an der bestehenden Form der Veranstaltung festhalten wollte. Unter diesen Bedingungen und angesichts des deutlich negativen Zuschauertrends der letzten Jahre entschieden wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Tessin und der Romandie, auf eine weitere Zusammenarbeit zu verzichten.
Rothenbühler sagt zudem, alles was schweizerisch sei, sei der SRG "sehr, sehr zuwider". Haben Sie diesen Punkt die Durchführung in allen drei Landesteilen bei Ihrem Entscheid berücksichtigt?
Seit einige Monaten leite ich intern innerhalb der SRG das Netzwerk Unterhaltung, eine Arbeitsgruppe aller Abteilungsleiter Unterhaltung aus den Sprachregionen. Zwei Teams sind daran, Ideen zu generieren, wie wir künftig mehr und intensiver zusammenarbeiten können. Dabei geht es um den ganzen Bereich der Unterhaltung, nicht nur um mehrsprachige Shows am Samstagabend. Dieses Jahr am 1. August versuchen wir unter der Federführung von SRF eine neue Form von Sendung aus, in der alle vier Sprachregionen der Schweiz vorkommen. Weitere Ideen sind in der Pipeline.
Von welchen Ideen sprechen Sie?
Da sind wir noch in der Projektierungsphase. Konkreter werden wir gerne zu einem späteren Zeitpunkt informieren. (eh)