Wenn Willem-Alexander und Maxima am kommenden Dienstag zum jüngsten Königspaar Europas gekrönt werden, haben sie die wahrscheinlich grösste Herausforderung für Monarchen des 21. Jahrhunderts schon gemeistert:
Sie haben die Medien gezähmt.
Bereits früh legte der künftige König der Niederlande mit einem Pressekodex den Grundstein für ein friedliches Miteinander. Schliesslich gab es turbulente Jahre, in denen mancher Streit vor Gericht landete oder handgreiflich wurde. Schon als Elfjähriger zeigte sich der Kronprinz von einem offiziellen Fototermin so genervt, dass er den Fotografen beschied: "Alle niederländischen Medien sollen zum Teufel gehen."
Während seines Geschichtsstudiums in den 1980er Jahren bescherte ihm ein Foto mit Bierglas den Spitznamen "Prinz Pilsje". In einem Interview 1997 sagte er: "Ich finde es traurig, dass ein Bild von mir mit einem Glas (Bier) mehr Einfluss auf mein Image hat als vier Jahre Training (für den Thron)."Auch eine Ohrfeige des jugendlichen Prinzen für den Glamour-Fotografen Joop van Tellingen am Zürcher Flughafen war seiner Beziehung zu den Medien nicht förderlich.
"Ich glaube, Willem-Alexander hat in seiner Jugend auf die harte Tour gelernt, dass die Medien wichtig sind beim Image", sagt der Historiker Han van Bree. Die Märchenhochzeit mit der Argentinierin Maxima Zorreguieta 2002 und schliesslich die Geburten der Töchter Catharina-Amalia, Prinzessin Alexia und Prinzessin Ariane steigerten das Medieninteresse dann weiter.
Geben und nehmen
Obwohl sich die niederländische Presse im Vergleich zur britischen weniger sensationslüstern gibt, sah sich Willem-Alexander zur Regelung des Umgangs zwischen Medien und Monarchen veranlasst. 2005 führte der Prinz gemeinsam mit dem Presseamt der niederländischen Regierung einen Pressekodex ein. Danach sollten die Medien an regelmässigen Fototerminen teilnehmen dürfen, wenn sie sich verpflichteten, die königliche Familie im Privatleben nicht zu belästigen. Für den Fall der Nichtbeachtung drohen rechtliche Schritten oder der Ausschluss von königlichen Veranstaltungen.
Die niederländischen Medien halten sich weitgehend an die Regeln und fotografieren nun vor allem bei offiziellen Fototerminen, die auch in den Ferien anberaumt werden. Die internationale Presse hat zuweilen ihre Schwierigkeiten. 2009 zog die US-Nachrichtenagentur AP königlichen Zorn auf sich, als sie nicht autorisierte Fotos von Skiferien in Argentinien veröffentlichte. Ein Amsterdamer Gericht verbot die Verwendung der Bilder.
Nach Einschätzung von Beobachtern ist das Bild der Familie Oranje-Nassau in den Medien seit der Einführung des Pressekodex geprägt von einer Mischung aus Unnahbarkeit und Zwanglosigkeit.
Ein wenig Glamour soll schon bleiben
Allzu normal sollte die Königliche Familie jedoch nicht rüberkommen, warnt Van Bree: "Wenn die Monarchie ihren Glamour verliert, verliert sie ihre aussergewöhnliche Seite. Wenn man der gegenwärtigen Monarchie ihre Mystik nimmt, bleibt nicht viel übrig."
Bei einem Interview zwei Wochen vor der Krönung gab der 45-Jährige selbst die Marschrichtung vor: Er sei kein Protokollfetischist und hänge - im Gegensatz zur scheidenden König Beatrix - nicht sonderlich am Titel Majestät. "Die Leute können mich nennen, wie sie wollen, so dass sie sich wohlfühlen." Trotz allem konnten Willem-Alexander und Maxima den einen oder anderen Skandal nicht verhindern: 2009 mussten sie eine prächtige Ferienvilla an der Küste Mosambiks wieder verkaufen, nachdem der Luxusbau in dem verarmten afrikanischen Land zuhause einen Sturm medialer Empörung ausgelöst hatte.
Und im vergangenen Jahr gestand Willem-Alexander ein, seine Teilnahme an einem WC-Weitwurf-Wettbewerb sei ein Fehler gewesen. "Eins ist sicher", sagt Van Bree. "Wenn Willem Alexander ein guter König sein will, muss er aufhören, mit Toilettenschüsseln herumzuwerfen." (sda)
Bild: Keystone
Künftiger König hat Verhältnis zu Medien geregelt
Niederlande - Führte bereits 2005 einen Pressekodex ein.