20.08.2017

NZZ

Kündigung für fixe Kultur-Korrespondenten

Die NZZ hat ihren festangestellten Feuilleton-Korrespondenten gekündigt. Politjournalisten sollen neu auch über Kulturthemen schreiben, in Deutschland zum Beispiel.
NZZ: Kündigung für fixe Kultur-Korrespondenten
Eric Gujer, fotografiert im Komiteezimmer an der Falkenstrasse. Er ist seit März 2015 Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» (Bild: Keystone/Christian Beutler)
von Edith Hollenstein

Die NZZ organisiert ihre weltweiten Korrespondenten im Feuilleton-Ressort neu. Alle drei bisher festangestellten Kultur-Korrespondenten, die aus Berlin, Paris und New York berichten, arbeiten nicht mehr für die NZZ – oder falls weiterhin, zu neuen Konditionen. Wie persoenlich.com weiss und srf.ch am Freitagnachmittag berichtet, hat das Unternehmen zwei Korrespondenten per Ende Juli gekündigt. Eine Person hat die Zusammenarbeit von sich aus beendet. Laut Impressum arbeiteten die drei Korrespondenten seit 2001, 1998 und 1995 für das Feuilleton-Ressort der NZZ. 

Die NZZ bestätigt auf Anfrage «einzelne personelle Veränderungen in diesem Zusammenhang». «Die diesbezüglichen Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Zu den Gründen für diese Veränderungen, äussern wir uns aus Respekt vor der Persönlichkeits- und Privatsphäre nicht öffentlich», so NZZ-Kommunikationschefin Myriam Käser.

«Das ist kein Abbau. Im Gegenteil, wir bauen eher aus», sagte Chefredaktor Eric Gujer am Freitagmittag im Gespräch mit SRF 2 Kultur. In den USA verschiebe die NZZ einen Posten an die Westküste. «Und in Berlin bauen wir nicht ab, nein, wir bauen um drei Stellen aus», sagt Gujer.

Diese Aussage zeigt, wie diese «Neuorganisation» erfolgen wird: Politjournalisten sollen neu auch über Kulturthemen schreiben. So auch in Deutschland: Laut Gujer werden die aktuellen Berlin-Korrespondenten «selbstverständlich auch für das Feuilleton schreiben». «Ich mache keine Unterscheidung zwischen Polit- und anderen Journalisten», so Gujer im Radio-SRF-Kultur-Interview.

Bedenken wegen der Qualität hat Gujer keine: «Wir haben zum Beispiel auch Martin Meyer infolge seiner Pensionierung verloren, eine wirkliche Koryphäe. Das Feuilleton der NZZ wurde dadurch nicht schlechter. Im Gegenteil: Bei Leserbefragungen, die wir regelmässig durchführen, schneidet unser Feuilleton in letzter Zeit besser ab.»

 

Mitarbeit: Corinne Bünzli



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Kommentare

  • Thomas Läubli, 11.10.2017 18:20 Uhr
    Allerdings hat Martin Meyer seinen Nachfolger auch gewünscht, und dies kann man ihm nicht verzeihen. Dass man jetzt Politikjournalisten über Kulturthemen schreiben lässt, ist kein Ausbau, sondern ein Abbau. Jeder kulturaffine Mensch merkt, wie oberflächlich die Kulturberichterstattung wird, wenn sie nicht von Fachjournalisten bestritten wird. Und wenn sie dann auch noch Stimmung machen gegen Kulturinstitutionen, ist klar, woher der Wind weht. Eric Gujer und René Scheu interessieren sich offensichtlich nicht für Kultur und Bildung, sondern dafür, wie man sie abbauen kann.
  • Christian Rentsch, 19.08.2017 01:21 Uhr
    Wann endlich, wird man wohl fragen dürfen, übernimmt die Wirtschaftsredaktion der NZZ die Sportberichterstattung und vielleicht auch grad noch die Wissenschaftsredaktion, die mit ihren lästigen alarmistischen" Umwelt- und Klimathemen immer wieder das freie ungehemmte Spiel der Märkte in Frage stellt? Im Ernst: Was immer man vom ehemaligen Feuilletonchef Martin Meyer hält, er hat immerhin dafür gesorgt, dass die NZZ als einzige Schweizer Tageszeitung einen international beachteten Kulturteil hatte. Was man vom neuen Feuilletonchef, dem Westentaschenphilosophem René Scheu, kaum mehr behaupten kann. Das Literatur-, Musik-, Theater- und Kunstkritik fundiertes Spezialwissen und profunden Überblick über die entsprechenden Sparten voraussetzt scheint die neoliberalen Ideologen Guyer und Scheu nicht allzu heftig zu interessieren. "Wir bauen eher aus", meint Guyer; vom Unterschied zwischen Quantität und Qualität hat er offenbar noch nie etwas gehört. Traurige Aussichten.
  • Claude Chatelain, 18.08.2017 21:04 Uhr
    Für mich eine gute Nachricht. Wenn Politjournalisten das NZZ-Feuilleton bestreiten, besteht berechtigte Hoffnung, dass ich verstehe, was ich lese. Im Fall des NZZ-Feuilletons wäre das neu.
  • Roberto Müller, 18.08.2017 17:21 Uhr
    Jaja, "wir bauen sogar aus", sagt Herr Guyer. "In Berlin schaffen wir 3 neue Stellen". Einen guten Journalisten mit 3 viel tiefer bezahlten zu ersetzen, ist kein Personalabbau. Richtig. Aber wird damit nicht die Qualität abgebaut? Und Qualität ist der einzig wahre USP einer klassischen Zeitung. Schade, Herr Guyer. Falsche Strategie.

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