Der Verband Schweizer Medien äusserte in einer Pressemitteilung Kritik am Jahrbuch 2012 "Qualität der Schweizer Medien". (persoenlich.com berichtete) Die Medienstudie wird vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich veröffentlicht. Die Medienvertreter zweifeln an der Objektitivät der Untersuchung und beanstanden die fehlende "seriöse und nachvollziehbare Definition des Begriffes Qualität".
Kurt Imhof, Autor des Jahrbuchs und Leiter des fög, nimmt auf Anfrage von persoenlich.com Stellung zur Kritik. Als "ein Schuss ins Blaue" bezeichnet er die Stellungnahme des Verbands Schweizer Medien und erklärt: "Der Verband hat diese Medienmitteilung mit der Kritik am Jahrbuch zu demselben Zeitpunkt verschickt, an dem das Jahrbuch am Ende der Medienkonferenz überhaupt erst erhältlich war. Das Jahrbuch wurde also gar nicht konsultiert." Wenn es konsultiert worden wäre und dies gelte auch für die ersten beiden Jahrbücher 2010 und 2011 dann wäre sogleich klar geworden, dass der Qualitätsbegriff in aller wünschenswerten Präzision dargelegt sei, führt Imhof weiter aus. Dieser Begriff basiere auf den Grundfunktionen öffentlicher Kommunikation in demokratischen Gesellschaften und umfasse die klassischen journalistischen Gebote der Vielfalt, der Relevanz, der Aktualität und der Professionalität.
"Dieser Qualitätsbegriff wird in der Präambel des Jahrbuches auf den Seiten 9 bis 20 aus dem Aufklärungsliberalismus hergeleitet und er wird in einem detaillierten Methodenkapitel auf den Seiten 377 bis 408 operationalisiert", erläutert Imhof. Das gehe nicht anders, denn sonst könnte die strikt vergleichende Qualitätsanalytik, die dem Jahrbuch zugrunde liege, unmöglich realisiert werden. Wer dies sehen möchte, sagt er, brauche nur das Jahrbuch zur Hand zu nehmen.
Gemäss Imhof ist dieses Qualitätsverständnis in der einschlägigen sozialwissenschaftlichen Qualitätsanalytik gängig - die Literatur dazu finde sich im Jahrbuch. Es enstamme dem Journalismus selbst, finde sich entsprechend in den Leitbildern dieser Berufsprofession in allen demokratischen Gesellschaften, in den redaktionellen Leitlinien des Informationsjournalismus, in den Satzungen von Medien- und Presseräten, in den gesetzlichen Regelungen öffentlicher Kommunikation - vor allem mit Bezug auf den öffentlichen Rundfunk - und es finde sich auch in den Erwartungen des Publikums, so Imhof.
"Niemand will, dass in der öffentlichen Kommunikation Themen, Meinungen und Akteure systematisch ausgeschlossen werden, dass das nicht thematisiert wird, was alle etwas angeht und aktuell das Gemeinwesen betrifft. Und alle sind der Überzeugung, dass einseitige Darstellungen zugunsten der Sachlichkeit und Transparenz vermieden werden sollten", ist Imhof überzeugt. Der fög freue sich auf jedes ernstzunehmende Argument. (ct)