Kurt W. Zimmermann sorgt sich um das geistige Eigentum

Weltwoche - Der Medien-Kolumnist beschuldigt Patrik Müller der Urheberrechtsverletzung.

Kurt W. Zimmermann, einer der bekanntesten Schweizer Medien-Kolumnisten, wettert in der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche" gegen Patrik Müller, Chefredaktor der "Schweiz am Sonntag" (SaS). Seine Kritik gilt zudem generell den jungen Journalisten, die keinen Respekt mehr hätten vor dem geistigen Eigentum. Zur Veranschaulichung seiner These schildert Zimmermann eine Episode mit Patrik Müller, die sich vor rund einem Monat zugetragen hatte, als Zimmermann in seiner Kolumne über den SaS-Verleger Peter Wanner schrieb. Sein Text sei von Patrik Müller kopiert und "um die Welt getwittert" worden. "Er verletzte damit eindeutig mein Urheberrecht", ärgert sich Zimmermann in seiner Kolumne.

"That’s Twitter. Welcome." 
Daraufhin schrieb Zimmermann Patrik Müller, dass er seinen Verstoss gegen das geistige Eigentum nicht in Ordnung fände. Der SaS-Chefredaktor twitterte zurück: "That’s Twitter. Welcome." Und Zimmermanns Anwalt verfasste daraufhin eine scharfe Mail an Müllers Adresse. Danach sei es keine halbe Stunde gegangen und der Tweet vom Müller sei wieder gelöscht gewesen.

Internet führe zu permanentem Diebstahl
Zimmermann schildert in der aktuellen "Weltwoche" die Anfänge des Urheberrechts und wirft den Jungen vor, diese historische Bedeutung nicht mehr zu kennen: "Jungen Journalisten fehlt dieser historische Respekt vor dem Individuum". Das Internet führe zu permanentem Diebstahl und Twitter verführe zur Hehlerei. Das digitale Zeitalter habe bereits die Privatsphäre des Individuums niedergetreten und werde nun auch das geistige Eigentum zerschlagen, klagt "Zimmi", der auch als Unternehmensberater tätig ist, weiter. Er befürchte zwar, dass er nicht erhört werde, wende sich zum Schluss aber doch noch einmal an Müller und die jungen Journalisten: "Hört, ich glaube nicht daran, dass man die neue Medienwelt gewinnt, wenn man die Kulturgüter der Alten zerstört".

Patrik Müller verteidigt den Tweet
Patrik Müller ist erstaunt über Zimmermanns scharfen Ton: "Ich fühle mich geehrt, wegen eines einzigen Tweets eine ganze Medienkolumne gewidmet zu bekommen", so Müller in einer Stellungnahme, welche er persoenlich.com am Donnerstagabend zukommen liess. Sein Motiv, Zimmermanns Kolumne über Twitter verbreitet zu haben, begründet er wie wie folgt: "Wenn ich Artikel von Journalisten vertwittere, haben sich diese bislang immer darüber gefreut. Denn Journalisten wollen ja gelesen werden. Mit einer Ausnahme, wie ich jetzt weiss: Kurt W. Zimmermann!". Und der SaS-Chefredaktor verspricht mit leise ironischem Unterton: "Um ihm zu helfen bei seinem Bestreben, in der digitalen Welt nicht stattzufinden, werde ich Kurts Kolumnen künftig höchstens noch im kleinen Kreis weiterflüstern." (ml/eh)

Bild: Keystone, Walter Bieri