Um über den aktuellen Wahlkampf zu diskutieren, hat das Schweizer Fernsehen für einmal Chefredaktoren und andere Beobachter der Schweizer Politszene zur Sendung am Freitag eingeladen. Auf der Gästeliste sind: Hannes Britschgi (Publizist Ringier), Roger Köppel (Verleger und Chefredaktor "Weltwoche"), Patrik Müller (Chefredaktor "Sonntag") und Markus Spillmann (Chefredaktor "NZZ"). Sie werden darüber diskutieren, welche Parteien im Wahlkampf besonders überzeugend waren und wer wohl gewählt wird. Auch mögliche Auswirkungen auf die Bundesratswahlen im Dezember sollen zu Sprache kommen.
Beim Blick auf die Gästeliste fällt auf: Unter den prominenten Namen findet sich niemand der Tamedia, obwohl der Konzern mittlerweile rund 43 Prozent des Schweizer Pressemarktes kontrolliert. Bei Tamedia war man darum ziemlich perplex über die Gästeauswahl des Schweizer Fernsehens: "Wir nehmen den Entscheid, nur Vertreter anderer Schweizer Medienhäuser zu berücksichtigen, erstaunt zur Kenntnis, sagt Unternehmenssprecherin Eliane Gräser auf Anfrage von persoenlich.com. Doch das Zürcher Traditionshaus will nicht kleinlich sein und der "Arena" keinen Vorwurf machen: "Selbstverständlich ist das Schweizer Fernsehen völlig frei in der Wahl in seiner Gäste."
Doch das Erstaunen seitens Tamedia ist durchaus berechtigt, denn fraglich ist: Warum hat SRF nur Ringier, "NZZ", AZ-Medien und die "Weltwoche" eingeladen? Ist es Absicht, dass Tamedia draussen bleibt? "Ziel war es, Vertreter von verschiedenen Zeitungsarten in der Runde zu haben. In dieser Zusammensetzung sind die Typen Boulevard-Zeitung, Wochenmagazin, Sonntagstitel und klassische Tageszeitung vertreten", erklärt Mediensprecher Martin Reichlin gegenüber persoenlich.com die Auswahlkriterien der "Arena"-Redaktion. Da die Runde auf eine gewisse Grösse beschränkt werden müsse, konnte man dabei nicht sämtliche Medienhäuser berücksichtigen.
Von einem bewussten Ausschluss kann demnach nicht gesprochen werden. Reichlin und auch Gräser weisen darauf hin, dass bei der Wahlsendung "Entscheidung 11" am 23. Oktober auf SF 1 auch Res Strehle vom "Tages-Anzeiger" in der Chefredaktoren-Runde vertreten sein wird. (eh)