Lässt sich nicht manipulieren

De Gregorio - Journalist zum überraschenden Fifa-Mandat.

Seine Aufträge für das "Magazin"und die "Weltwoche" hat er gekündigt. Nun wird Walter di Gregorio während fünf Wochen Kommunikationsberater des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. "persoenlich.com" hat sich mit dem Journalisten über den überraschenden Seitenwechsel unterhalten:

Herr de Gregorio, Ihr Mandat bei der Fifa ist auf sechs Wochen befristet. Ist das die Probezeit?

Nein, ein solches Spitzenmandat wird nicht auf Probe erteilt. Es ist ein befristetes Arbeitsverhältnis, das spätestens am 1. Juni erlischt.

Was tun Sie nachher?

Ausruhen. Und danach wieder für die "Weltwoche", das "Magazin" und das Tessiner Fernsehen arbeiten. Zudem habe ich Angebote für Lehraufträge. Und ein paar Buchprojekte sind auch hängig.

Zurück zur "Weltwoche" können Sie vielleicht noch. Wohl aber nicht mehr zum "Magazin".

Ob ich über die Ex-Terroristin Faranda schreibe, über Gianna Nannini oder den Chef der italienischen Antimafia - solche Geschichten im "Magazin" tangieren mein jetziges Mandat nicht.

Laut einem "Woz"-Artikel verdienen Sie bei der Fifa einen sechsstelligen Betrag. Das ist ein schöner Batzen für sechs Wochen. Fangen Sie nachher an zu Golfen?

Für die "Woz" ist alles, was 3'500 Franken Monatslohn übersteigt, ein gefühlter "sechsstelliger Betrag". Ich bin zu jung zum Golfen.

Sie machen "gewöhnliche Medienarbeit". Können Sie dies genauer erklären?

Wir übernehmen die Medienkoordination des Fifa-Präsidenten. Interviewanfragen annehmen, mit der Agenda des Fifa-Präsidenten checken, zusagen, ablehnen.

Eine Ihrer Aufgaben wird es wahrscheinlich sein, kritische Sportjournalisten-Kollegen auf die "richtige Spur" zu lenken.

Meine Kollegen sind nicht blöd. Sie bilden sich ihre Meinung aufgrund von Fakten, nicht aufgrund des guten Zuredens.

Welche Journalisten-Kollegen sind besonders bissige Hunde und werden somit am meisten Arbeit geben für Sie?

Ich selber (lacht), aber ich habe mich im Griff. Im Ernst: Es ist, wie ich sagte: Grundsätzlich ist jeder Journalist bissig und recherchiert. Manipulieren lässt sich keiner.

Das Ziel ist die Wiederwahl Blatters. Inwiefern können Sie persönlich dahinter stehen?

Die Frage müssten Sie den Nationalverbänden stellen, die den Fifa-Präsidenten wählen. Meine Meinung ist irrelevant.

Somit ist Ihrer Ansicht nach Blatter auch für eine vierte Amtszeit die beste Besetzung für das einflussreiche Amt des Fifa-Präsidenten.

Die Frage ist simpel: Ist der Herausforderer eine Option? Die Antwort werden die 208 Nationalverbände geben.

Was motiviert Sie an der neuen Aufgabe?

Die Herausforderung. Keine Ahnung, was in den nächsten sechs Wochen passiert, aber spannend wird es bestimmt.

Korruption bestritten Sie nie. Laut "Woz" sagten Sie, Korruption im internationalen Fussballgeschäft sei "systemimmanent". Nehmen Sie dies so hin oder werden Sie im neuen Job etwas dagegen tun?

Ich nehme das selbstverständlich nicht hin, aber ich wehre mich gegen Heuchelei. Ich hatte dazu ein polemisches Pamphlet geschrieben in der "Weltwoche". Die "Woz", die Sie eben zitierten, hat die Aussagen grobfahrlässig ins Gegenteil gedreht. Das Pamphlet war contra Scheinheiligkeit, nicht pro Korruption. Zugegeben: Man muss lesen können, ums zu verstehen.

Vorausgesetzt der Job gefällt Ihnen und Blatter wird wiedergewählt. Ist es für Sie eine Option, anschliessend mehr als sechs Wochen zu bleiben?

Ich gehe davon aus, dass ich wieder schreiben werde. Nicht nur Postkartengrüsse.

Interview: Edith Hollenstein