Laut Uni St. Gallen unangemessene Tarife für freie Kameraleute

SF - TV: "Expertise mit falschen Annahmen erstellt."

Der Schweizerische Verband der ENG- und TV-Produktionsfirmen wehrt sich seit geraumer Zeit gegen die 5-prozentige Tarifreduktion, die das Schweizer Fernsehen für freie Kameraleute im Jahr 2007 einführte. Das SF und deren Tochtergesellschaft tpc erzwinge von den freien Kameraleuten absolut unangemessene Preise, so der Vorwurf des Verbandes ENG-Schweiz.

Aufgrund des neuen Sendeformats 16:9 hätten die meisten Kameraleute zusätzliche Investitionen für neue Geräte tätigen müssen. Daneben müssen die freien Kameraleute ohne Zuschläge arbeiten, argumentiert der Verband unter anderem. Besonders stossend sei, dass die Geschäftsleitung und die Chefredaktion des SF seit Jahren jedes Gespräch über den Tarif mit den Kameraleuten kategorisch ablehnen würde. Wer den ungenügenden Tarif nicht akzeptiere, werde nicht mehr gebucht und stehe im Fernsehmarkt Schweiz ohne Arbeit da, so der Wortlaut der Pressemitteilung.

Nun erhält der Verband Unterstützung von der Universität St. Gallen. Eine im Auftrag des ENG-Schweiz erstellte Studie belegt die Vorwürfe. Der vergütete Tarif sei in keinem der berechneten Varianten auch nur annähernd kostendeckend, heisst es in der Mitteilung vom Dienstag. Mit diesem neuen Papier in den Händen fordert der Verband erneut die sofortige Rücknahme der vorgenommenen Tarifkürzung sowie eine rückwirkende Tarifanpassung. Zudem müssten sofort Verhandlungen über den Tarif 2009 aufgenommen werden, heisst es weiter.

SF kritisiert Studie

SF nimmt die Expertise zur Kenntnis und hält auf Anfrage von "persoenlich.com" fest, dass sie mit teilweise falschen, nicht der Realität entsprechenden Annahmen erstellt wurde. So ist es laut Sprecher David Affentranger falsch, dass die Kameraleute aufgrund von Formatwechseln grosse Investitionen tätigen mussten, um von SF weiterhin Aufträge zu erhalten. "Bei SF und tpc kann mit heute gültigen Formaten bis ins Jahr 2012 bzw. 2014 weiter gearbeitet werden."

Somit seien auch die Amortisierungskosten in der Expertise nicht richtig. "Abgesehen davon sind die Tagesansätze für Kameraleute, die mit HD-Kameras arbeiten, höher als bei Kolleginnen und Kollegen, die über älteres Material verfügen", so Affentranger.

Das Schweizer Fernsehen hält auch fest, dass ENG-Schweiz nicht Vertragspartner des Senders ist. "Wir haben Verträge mit freischaffenden Kameraleuten oder Produktionsfirmen", erklärt Affentranger. "Mit mehreren Kameraleuten, die inzwischen auch Mitglieder von ENG-Schweiz sind existieren solche Verträge seit 1.1.2007 und laufen bis Ende 2009. Dann werden diese mit allen Beteiligten neu verhandelt."

Zudem werde jährlich ein Produzenten-Meeting abgehalten, an dem solche Themen traktandiert würden. Und zu diesen Meetings seien jeweils auch die freischaffenden Kameraleute eingeladen.