Die Romands müssen möglicherweise mit nur einer Gratiszeitung durch den nächsten Sommer kommen. Aus wirtschaftlichen Gründen prüft "Le Matin Bleu", während der Ferienzeit eine Pause einzulegen. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird die Herausgabe der Pendlerzeigung schon seit zwei Jahren eingestellt. Ob es nun auch im Sommer eine Pause gebe, sei noch nicht definitiv entschieden, sagte Théo Bouchat, Direktor von Edipresse Schweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Allerdings seien in dieser Zeit viele Leser in den Ferien. Auch ökologisch mache es wenig Sinn, die Boxen mit Zeitungen zu überschwemmen, die niemand lese. Bouchat betonte aber, dass eine allfällige Pause nicht ein erster Schritt zur vollständigen Einstellung des Titels wäre. Über eine Sommerpause nachgedacht wird auch diesseits der Saane. Die Sommermonate seien anzeigemässig immer schwierig, sagte Caroline Thoma, Geschäftsführerin von ".ch". Eine Pause sie darum unter Umständen eine Option. Ob auch die ".ch"-Redaktion im Sommer in die Zwangsferien geschickt wird, soll bis Ende Jahr entschieden werden.
Dabei leiden die Gratiszeitungen weniger unter dem Sommerloch als die abonnierte Presse, weil sie weniger Stelleninserate haben, wie Georges von Csernatony von Publicitas auf Anfrage erklärte. Dafür dürfte sie eine Abschwächung der Konjunktur härter treffen, weil sie vollständig von Werbung abhängig sind.
Kein Thema ist ein Unterbruch beim Verlagshaus Tamedia, welches "20 Minuten" und in der Romandie "20 Minutes" herausgibt sowie an "News" beteiligt ist. Zwar hinterlasse der Sommer bei Anzeigen und Leserzahlen seine Spuren, sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Der Rückgang sei aber zu wenig markant, als dass sich eine Einstellung der Ausgabe rechtfertigen würde. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern mache die Schweiz nicht "en bloc" Ferien, sagte Zimmer. Anders in Luxemburg, wo die Tamedia- Gratiszeitung "L'Essentiel" in den Sommerferien nicht erscheint. (sda)