Lega-Blatt "Mattino" verletzt Persönlichkeitsrechte

Presserat - Telefonnummern von SP-Politikern abgedruckt.

Die Lega-Zeitung "Il Mattino della domenica" hat gemäss Presserat den Bogen überspannt. Die Publikation von Telefonnumern von Politikern, deren Ansichten ihr nicht passen, verletzte die Persönlichkeitsrechte. Es ging um die 13. Monatsrente bei der AHV. Diese sollte den Rentnerinnen und Rentnern der Stadt Lugano als Weihnachtsgratifikation ausgerichtet werden. Am 9. November 2008 wetterte der auf Lebzeit gewählte Lega-Präsident und "Mattino"-Herausgeber Guliano Bignasca in seinem Blatt gegen zwei SP-Exponenten.

Diese, ein ehemaliger Regierungsrat und ein Kantonsangestellter, würden sich dem Zustupf an die Rentner widersetzen. Damit eventuell empörte Bürgerinnen und Bürger sich Luft machen können, druckte Bignasca die Telefonnummern der beiden gleich ab. Dazu setzte er die Aufforderung, nicht mit Anrufen zu sparen. Damit verletzte das Lega-Blatt die Persönlichkeitsrechte der beiden Angeprangerten, befand der Presserat in seinem am Donnerstag publizierten Entscheid. Selbst in der Öffentlichkeit stehende politische Exponenten hätten ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre. Den Inhalt des Artikels bemängelte der Schweizer Presserat nicht. Angerufen wurde das Gremium vom Tessiner Journalistenverband. (sda)