In der Schweizer Buchbranche kommt zu einem grossen Konsolidierungsschritt: Die Banknotendruck- und Buchhandelsgruppe Orell Füssli und die Thalia legen in der Schweiz ihr Buchgeschäft zusammen.
Orell Füssli und der deutsche Thalia-Konzern schaffen ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem sie je zur Hälfte beteiligt sind. Damit wolle man die Herausforderungen im hiesigen Buchmarkt gemeinsam meistern, teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit.
Der Buchhandel sei in den letzten Jahren im starken Wandel, sagte Orell-Füssli-Chef Michel Kunz in einer Telefonkonferenz. Weil die Menschen weniger Bücher läsen, nehme der Absatz jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent ab.
Zudem wanderten die Kunden immer mehr ins Internet ab. Der US-amerikanische Internethändler Amazon habe in den letzten Jahren den deutschsprachigen Markt sukzessive erobert und dürfte mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht haben, sagte Kunz. Auch Apple und Google wollten immer mehr digitale Inhalte vermarkten.
Kräfte bündeln
Das neue Gemeinschaftsunternehmen von Orell Füssli mit Thalia sei eine Antwort auf diese zunehmende Konkurrenz. "Wir wollen unsere Kräfte bündeln, insbesondere im Internet", sagte Kunz. Denn dort seien die Investitionen erheblich. Nur durch eine Bündelung könne man genügend Substanz erreichen, um den ausländischen Konkurrenten Paroli zu bieten.
Nach dem grünen Licht der Eidg. Wettbewerbskommission (Weko) werde das Filialnetz von Thalia und Orell Füssli zusammengelegt, sagte Kunz. Thalia betreibt hierzulande 22 Filialen und erzielt einen Umsatz von 131 Mio. Franken, während das Buchhandelsgeschäft von Orell Füssli 14 Läden hat und 114 Mio. Fr. Umsatz erreicht.
Die Überschneidungen beim Filialnetz seien gering, sagte Kunz. Nur in St.Gallen, Basel und Winterthur seien beide Buchhändler präsent. Was an diesen Standorten geschehe, werde man erst nach dem grünen Licht der Weko entscheiden.
Auch im Internet werde der Auftritt vereinheitlicht. Es werde ein gemeinsames System geben. Zu Orell Füssli gehört der Onlinebuchladen books.ch, Thalia ist mit buch.ch im Internet präsent.
Stellenabbau
Die Zusammenlegung hat Folgen fürs Personal. In den nächsten eineinhalb Jahren dürften 40 bis 50 Stellen abgebaut werden, sagte Kunz.
Synergien gebe es bei der Logistik, beim Marketing und bei der Informatik. Grössenordnungen wollte Kunz nicht bekannt geben. Logistik und Einkauf würden zusammengeführt. Thalia beschäftigt 650 Mitarbeiter, die Orell Füssli Buchhandlungs AG hat 400 Angestellte.
Die Präsidentin des Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV), Marianne Sax, begrüsste den geplanten Zusammenschluss von Orell Füssli und Thalia, die "vor 15 Jahren noch Entsetzen" ausgelöst hätte.
Es sei ihr recht, wenn sich die zwei grossen Unternehmen des Schweizer Buchmarktes gemeinsam dem US-Versandhaus Amazon entgegen stellen könnten, sagte Sax auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Orell Füssli und Thalia seien gut geführte Buchhandlungen und auch für die Mitarbeiter "ordentliche Firmen".
Kritik von Gewerkschaft
Bei der Gewerkschaft Syndicom ist man dagegen sehr überrascht über den Zusammenschluss. Vizepräsidentin Danièle Lenzin bemängelte, dass die Personalvertreter nicht vorzeitig darüber informiert worden seien. Sie zeigte sich besorgt über die Auswirkungen der Fusion auf die Arbeitnehmenden. Bei Entlassungen werde man das Personal entsprechend unterstützen.
Aber auch sonst könnte sich für die Angestellten etwas ändern: Während Orell Füssli die Sozialpartnerschaft pflege, gebe es bei Thalia keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Auch das Lohnniveau sei bei Thalia tiefer.
Dies bestritten Michel Kunz und Thalia-Vizepräsident Jürg Bodenmann in der Telefonkonferenz: Bei einer groben Analyse der Anstellungsbedingungen habe man keine grossen Unterschiede zwischen beiden Firmen festgestellt. Im GAV von Orell Füssli seien beispielsweise Mindestlöhne geregelt, sagte Kunz. "An diese hält sich auch Thalia." (sda)