Leichte Aufweichung der Fronten

Rechtschreibereform - Springer hat nichts gegen eine "allgemein akzeptierte" Weiterentwicklung der Sprache.

Der Verlag Axel Springer bereitet die Rückkehr zur alten Rechtschreibung vor. Einer "sinnvollen" und "allgemein akzeptierten" Weiterentwicklung der Sprache würde er sich aber nicht verschliessen, gab er am Dienstag bekannt. Ein Gremium, das eine Anpassung der Reform vornehmen soll, wurde schon geplant, bevor die Proteste der Verlage Springer, Spiegel und Süddeutsche Zeitung letzte Woche laut wurden: Am 23. August werden sich Reformvertreter aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Lichtenstein in Wien treffen, um zu diesem Zweck einen Rat für deutsche Rechtschreibung zu bilden.

Dieser soll im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Das kündigte die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) am Dienstag in Bonn an. Der Rat, in dem auch Kritiker des derzeitigen Regelwerks mitarbeiten sollen, soll die Entwicklung des Schriftgebrauchs beobachten und die Regeln gegebenenfalls dort anpassen, wo es notwendig ist.

Springer und Spiegel wollen keine Hausorthografie

Springer und Spiegel betonten, man werde sich sinnvollen Weiterentwicklungen der Sprache nicht verschliessen, wenn diese allgemein akzeptiert und etwa vom Duden berücksichtigt würden. Nichtsdestotrotz werden derzeit bei Springer die letzten Details der technisch-organisatorischen Umstellung geprüft, die spätestens in vier Wochen möglich sein werde. Springer gehe es nicht um Zwischenlösungen, sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag: "Wir kehren zu dem zurück, was bis 1998 für alle verbindlich war."

Süddeutsche Zeitung ändert moderat, ARD gar nicht

Anders als Springer und der Spiegel-Verlag will die Süddeutsche Zeitung frühestens im Oktober entscheiden, in welchem Umfang sie die neue Rechtschreibung ändert. Zuvor solle mit Kultusministern, Schulbuchverlagen, Nachrichtenagenturen und anderen Verlagshäusern "über Sinn und Unsinn der neuen Regeln" gesprochen haben. Die SZ werde jede Initiative unterstützen, die ein "möglichst einheitliches Erscheinungsbild der deutschen Schriftsprache garantiert".