Das Zürcher Medienunternehmen Tamedia hat im ersten Halbjahr 2012 unter dem durchzogenen Werbemarkt gelitten. Der Gewinn schrumpfte um 16 Prozent auf 73,7 Mio. Franken. Auch für die zweite Jahreshälfte ist gemäss Firmenleitung keine Verbesserung in Sicht. "Wir rechnen weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld", sagte Tamedia-Chef Martin Kall am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. "Wir müssen dranbleiben." Trotz der rückläufigen Zahlen sprachen die Unternehmensverantwortlichen aber von einem "soliden Ergebnis". Das Betriebsergebnis (Ebit) sank um 31,6 Prozent auf 60,3 Mio. Franken. Der Umsatz der Mediengruppe lag im ersten Halbjahr 2012 mit 524,0 Mio. Fr. 5,4 Prozent tiefer als in der Vorjahresperiode. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) verzeichnete einen Rückgang um 22,5 Prozent auf 89,3 Mio. Franken.
Print Regional zieht Umsatz nach unten
Die Zahlen widerspiegelten die durchzogene Entwicklung des Schweizer Werbemarkts, betonten die Tamedia-Verantwortlichen. Insgesamt weist der Verband Schweizer Medien in seiner Inseratestatistik für die Tageszeitungen einen Rückgang der Netto-Werbeumsätze von 10 Prozent aus. Einen Einbruch erlitten dabei insbesondere die Stellenanzeigen mit einem Minus von 23 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011. Zwei Drittel des Umsatzrückgangs sei auf das Geschäftsfeld Print Regional zurückzuführen, sagte Kall weiter. Man sei mit diesem Geschäftsbereich unter Berücksichtigung des Umfelds aber dennoch zufrieden.
Mit verschiedenen Massnahmen auf der Kostenseite konnte die Tamedia hier einen Teil des Umsatz-Rückgangs auffangen. Es sei für die Gruppe zentral, dass im Bereich Print Regional fortlaufend Massnahmen zur Ergebnisverbesserung umgesetzt würden, sagte Kall. Besonders stark rückläufig entwickelten sich die Umsätze der Zeitung "Tages- Anzeiger" mit den Stellenbeilagen Alpha und Stellen-Anzeiger sowie von "24heures" und "Tribune de Genève", wie es in der Mitteilung heisst. Der Umsatz des Geschäftsfeldes Print Regional nahm um 11,7 Prozent auf 278,4 Mio. Franken ab.
Stark bei nationalen Medien
"Sehr zufrieden" zeigte sich der Konzernchef an der Telefonkonferenz mit dem Bereich der Nationalen Printmedien. "Auch dieser Bereich hat unter der Konjunktur gelitten, aber wir sind da sehr stark aufgestellt", sagte Kall. Sorgen bereiteten in diesem Segment vor allem die Wirtschaftstitel im Finanzbereich. Der Umsatz bei den Nationalen Medien sank lediglich um 4,2 Prozent auf 214,0 Mio. Franken. Die Pendlerzeitungen von "20 Minuten" sowie die Zeitschriften "Annabelle", "Das Magazin" und "Schweizer Familie" konnten den Vorjahresumsatz weitestgehend halten. "Wir wollen in diesem Bereich weiter ausbauen", sagte Kall.
Digitale Medien erfüllen Erwartungen nicht
Die Erwartungen immer noch nicht erfüllt hat im vergangenen Halbjahr der Bereich Digitale Medien. Die Investitionen in die Redaktionen und der Ausbau der Rubriken- und Serviceportale hätten sich noch nicht im erhofften Ausmass ausbezahlt. Das Hauptproblem sei in diesem Zusammenhang der Werbeumsatz der mobilen Nutzer. "Über die Hälfte der Zugriffe auf '20 Minuten Online' etwa geschehen über mobile Geräte", sagte Kall. "Wir haben also sehr viele Nutzer, die uns kommerziell nichts bringen." Die grosse Herausforderung sei deshalb die Frage nach der Kommerzialisierung der mobilen Nutzung.
Wie Tamedia das bewerkstelligen will, ist noch unklar. Das Unternehmen prüft derzeit verschiedene Bezahlmodelle. Eine Möglichkeit wären gemäss Kall kostenpflichtige Inhalte auf den Nachrichtenportalen. Beim Onlineportal 20 Minuten wird diese so genannte Paywall aber ausgeschlossen. "Wenn überhaupt, gäbe es das nur beim Newsnetz", sagte Kall. Einen Entscheid will Tamedia bis Ende Jahr fällen. (sda)