Seit 1780 gibt es sie, seit 1821 heisst ist sie "Neu" und seit Dienstag ist ihr gesamtes Archiv digital zugänglich: Die "Neue Zürcher Zeitung" stellt jede einzelne Seite ihrer Ausgaben seit 233 Jahrgängen als PDF zur Verfügung. Die Traditions-Tageszeitung hat sei dem achtzehnten Jahrhundert einen Wissensschatz gesammelt, der nun vollständig unter nzz.ch/archiv zu finden ist.
Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut
Wie Computerworld.ch schreibt, existiert das Archiv bereits seit 2005, aufgeschaltet wurde es jedoch erst am Dienstag. Um den gesamten Inhalt in digitaler Form herzustellen, wurden laut dem IT-Fachmagazin rund zwei Millionen Zeitungsseiten in 70 Terabytes Daten umgewandelt. Für diese Leistung erhielt das Archiv 2006 den "IT-Oscar" des "Computerworld Honors Program" in der Kategorie "Media, Arts and Entertainment".
Auf die Frage wie der Digitalisierungsprozess genau ausgesehen hat, erklärt Ruth Haener, Chefin des Archivs, auf Anfrage von persoenlich.com: "Das Fraunhofer Institut hat unsere Zeitungsseiten gescannt, formal veredelt und indexiert wie auch die erste Trefferliste und Suchmaske gebaut. Der Vorgang hat etwa anderthalb Jahre gedauert." Der Zeitpunkt der Aufschaltung für ein breiteres Publikum habe keine tiefere Bedeutung, das Projekt sei 2013 abgeschlossen worden.
Den grossen Wissensschatz mit allen teilen
Jeder kann das umfangreiche Archiv zwar durchstöbern, doch nicht jeder darf kostenlos herunterladen: Nicht-Abonnenten der Zeitung zahlen 3.50 Franken pro PDF-Seite. Den Preis so festzulegen, sei ein Entscheid des Verlags gewesen, sagt Haener. Worin der wirtschaftliche Nutzen für diese neue Dienstleistung bestehe, könne zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht genau festgelegt werden. Man erhoffe sich jedoch im schwierigen Lesermarkt eine höhere Bindung an das Haus NZZ. Die Öffnung des Archivs sei jedoch nicht als zusätzliche Einnahmequelle hinsichtlich der abnehmenden Print-Leserzahlen zu verstehen, sondern als Dienstleistung für Interessierte - für "Historiker, Technikinteressierte, Politikerinnen oder Kreuzworträtselfans", so Haener. Es sei der NZZ ein Anliegen den grossen Wissensschatz mit diesen Leuten zu teilen. Das Archiv dürfte nach Einschätzung der Archivarin auch ausserhalb des klassischen Lesermarktes auf Interesse stossen, so zum Beispiel im Bereich Syndication.
"Pleasant storm" auf das Archiv
Dieses Angebot kommt offenbar äusserst gut an: Einen Tag nach der Aufschaltung des Schatzes, so heisst es von Seiten NZZ, waren die Besuche in das digitale Archiv unerwartet zahlreich, sodass die Systeme dem grossen Interesse vorübergehend nicht gerecht wurden. Nachrichtenchef und stellvertretender Chefredaktor Luzi Bernet schrieb im NZZ-Newsletter von einem "pleasant storm" und entschuldigte sich für allfällige Fehlermeldungen, die bei der Suche erschienen können. Die NZZ hat zudem bereits aufgerüstet und die Speicherkapazität erhöht, wie Haener gegenüber persoenlich.com erklärt.
Text: Lea Friberg; Bilder: NZZ