Die Wiener Zeitung erscheint künftig online (persoenlich.com berichtete). Ausserdem ist eine monatliche Printausgabe geplant. Mit der Umstellung sind insgesamt 63 Vertragsauflösungen verbunden. Die Redaktion werde dabei um 35 Stellen auf 20 Personen verkleinert, hiess es aus dem Unternehmen. Die Wiener Zeitung bezeichnete sich als älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. In einem Artikel der letzten Ausgabe übergab die Redaktion diesen Titel an die seit 1705 bestehende Hildesheimer Allgemeine Zeitung in Niedersachsen.
Die Wiener Zeitung wurde einst als «Wiennerisches Diarium» gegründet. Neuigkeiten «ohne einigen Oratorischen und Poetischen Schminck» zu verbreiten – also nüchterne Nachrichten zu vermitteln – lautete das Programm in der Erstausgabe vom 8. August 1703.
Zuletzt verkaufte die als Qualitätsmedium bekannte Zeitung jedoch nur noch etwa 8000 gedruckte Exemplare pro Tag. Die Druckausgabe wurde eingestellt, da nach einer Gesetzesänderung die wichtigste Finanzierungsquelle wegfiel: In der Vergangenheit mussten Firmenbucheinträge kostenpflichtig in der Wiener Zeitung erscheinen. Nun wurde auf Online-Verlautbarungen umgestellt.
Diese Entscheidung der konservativen Kanzlerpartei ÖVP und der mitregierenden Grünen war von der Opposition und der Redaktion der Wiener Zeitung kritisiert worden.
«Stürmische Zeiten für den Journalismus bedeuten auch schwere Zeiten für die Demokratie», hiess es am Freitag im Leitartikel, in dem mehr statt weniger Qualitätsjournalismus gefordert wurde. (sda/cbe)