Liegestuhl statt Leutschenbach

Schweizer Radio und Fernsehen - Sieben Wochen keine «Rundschau», keine «Arena», kein «Eco», keinen «Kassensturz» und kein «Schawinski». Dass Sandro Brotz, Roger Schawinski und Co. Sommerpause machen, sorgt für Kritik – gerade jetzt mit Nizza, dem Putschversuch in der Türkei, dem Brexit und mit Trump, Clinton und Aleppo.

von Edith Hollenstein

Aberwitzig, peinlich, anachronistisch: Kurt W. Zimmermann greift in die Kiste mit den saftigen Adjektiven wenn er in seiner neusten «Weltwoche»-Kolumne die alljährliche Sommerpause im Leutschenbach beschreibt. 

«Wo waren die Journalisten unseres Service public?», fragt der Medienjournalist. Dass die SRF-Infosendungen («Rundschau», «Arena», «Eco», «Kassensturz» und «Schawinski») auch in diesem Jahr pausieren, ist für ihn unverständlich – ja sogar «peinlich wie nie zuvor».

De Weck hätte eingreifen sollen

In den letzten Wochen mit Terror in Nizza, Putsch in der Türkei, Brexit, mit Anschlägen in Bayern, mit Putin, Trump, Clinton und Aleppo, hätte es Analysen und Erklärungen gebraucht, auch – oder gerade – vom öffentlich-rechtlichen Sender meint Zimmermann. In einer globalisierten Welt gebe es keine Ruhepausen mehr.

Generaldirektor Roger de Weck hätte seine Leute «vom Strand ins Studio zurückrufen» sollen. «Die Sommerpause ist vorbei. Alle zurück an die Arbeit. Ab morgen wird wieder gesendet», solche Worte hätte Zimmi erwartet.

«Tagesschau» ordnet ein

Im Leutschenbach sieht man das anders. Man komme dem Informationsauftrag auch im Sommer nach, sagt TV-Chef Tristan Brenn (vgl. Bild unten) auf Anfrage von persoenlich.com. Die Tagesaktualität werde in «Tagesschau», «10vor10» und «Schweiz aktuell» abgebildet, eingeordnet und analysiert. Im «Club» würden Themen vertieft, so in den vergangenen Wochen der Putschversuch in der Türkei oder der islamische Terror. 

«Unabhängig davon, ob Sommerprogramm oder nicht, müssen und wollen wir bei unvorhergesehenen Ereignissen so rasch als möglich reagieren – sei es in bestehenden Formaten oder in Sondersendungen. Das haben wir im nachrichtenintensiven Sommer 2016 laufend gemacht, beispielsweise mit Sondersendungen zum Putschversuch in der Türkei, zum Terroranschlag in Nizza oder zur Schiesserei in München», führt Brenn weiter aus. Das Publikum habe also «jederzeit, wie von SRF erwartet werden darf, sehr guten und schnellen Journalismus erhalten».

Die Frage, wie unantastbar diese Pause ist und auch nächstes Jahr wieder gilt, wollte SRF nicht beantworten. Sprecherin Andrea Wenger dazu: «Zum Sommerprogramm 2017 können wir noch nichts sagen, dafür ist es einfach zu früh. Zunächst folgt jetzt mal die Analyse über das Sommerprogramm 2016».