Live-Übertragung von Blocherrede umstritten

SR DRS - "Schlüsselereignis" versus "Propaganda".

Arbus, die Vereinigung für kritische Mediennutzung, und die SP haben gegen die Übertragung von Christoph Blochers Rede am Freitagabend in Zürich protestiert. Als "Entgleisung" bezeichnet Arbus die Live-Übertragung der Rede an der SVP-Albisgüetlitagung auf DRS 4. Damit stelle sich ein SRG-Medium "in den Propaganda-Dienst der SVP", unterstütze einseitig die Ziele der SVP, schreibt die Vereinigung in einem Communiqué vom Freitag. Es sei nicht Aufgabe eines öffentlichen Radios, diese Rede zu übertragen. Damit würden zudem andere Parteien und Organisationen ermuntert, dasselbe zu verlangen. Was aber würden Gebührenzahlende sagen, wenn beispielsweise 1.-Mai-Reden live übertragen würden, gibt Arbus zu bedenken.

Erst kürzlich habe die SRG eine neue Konzession zugesprochen erhalten. Sie sei somit einen "Vertrag" mit den Gebührenzahlenden eingegangen. Die willkürliche Übertragung des Auftritts von Christoph Blocher strapaziere das Vertrauen der Bevölkerung. Kritik kommt auch von der SP: Dass -- zusammen mit der "Arena" am Schweizer Fernsehen -- zwei SRG-Sender Christoph Blocher eine derartige Plattform gäben, sei unhaltbar, bestätigte Generalsekretär Thomas Christen gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine Meldung des "Tages-Anzeigers". Man werde intern prüfen, welche Massnahmen man ergreifen könne.

Lis Borner, Redaktionsleiterin von DRS 4, verteidigte auf Anfrage die Übertragung. Es sei ein Ziel von DRS 4, prägende "Schlüsselereignisse" live zu übertragen -- und einzuordnen. Dies gelte für Themen in Politik -- links oder rechts --, Wirtschaft oder Sport. Als erste Sendung dieser Art sei ein Gespräch zwischen Bundesrat Moritz Leuenberger und dem Autor Urs Widmer übertragen worden, rief Borner in Erinnerung. Nun folge als zweites die Rede von Christoph Blocher. Diese werde nicht zusammenhanglos und unkommentiert übertragen.(sda)