Vizekanzler André Simonazzi spricht den Schweizer Medien überraschend ein Lob aus. In einem Interview mit der Zeitung "Der Sonntag" erklärt er, dass sich die Medien "in vielen Bereich professionalisiert haben". Er denke dabei an die Lokalfernsehen und -radios. "Sie waren zu Beginn noch etwas unbedarft. Seither haben sie sich stark entwickelt und spielen heute eine wichtige Rolle im Bereich des lokalen Service public", so der Bundesratssprecher. Aber auch die nationalen Medien hätten sich stark entwickelt.
Als ein Problem erachtet Simonazzi die Skandalisierung: "Es gibt natürlich Trends, die Gefahren und Risiken beinhalten, der Herdentrieb, die Personalisierung, die Skandalisierung. Die Medien müssen lernen, mit solchen Trends selbstkritisch umzugehen. Dann steigt ihre Qualität." Zudem würden die finanzielle Entwicklung und der Kostendruck in den Konzernen Gefahren für die Qualität des Journalismus bergen. Zu Beginn der Gratiszeitungen sei es häufig zu Fehlern gekommen: "Manchmal musste ich genau das Gegenteil von dem in der Zeitung lesen, was ich gesagt hatte. Nach den ersten wilden Jahren haben sich die Gratiszeitungen aber deutlich professionalisiert. Sie bieten heute eine gute Art Journalismus und sind für uns kaum mehr Thema."
Ein zweites Beispiel seien die Online-Medien. Es bestehe die Gefahr, dass diese "die Grundregeln vergessen". So sei während dem WEF auf allen Online-Portalen die Falschmeldung kolportiert worden, die Petarde sei im Hotel explodiert, wo die Bundesräte logierten. Dies einzig aufgrund des Bekenntnisschreibens der Gruppierung. "Die Online-Medien verifizierten die Meldung nicht. Alle Online-Portale übernahmen diese Falschmeldung. Weltweit, ohne sie zu verifizieren. Sogar die Schweizer Depeschenagentur", so Simonazzi. Der Haken: Seit zwei Jahren logieren die Bundesräte in einem anderen Hotel.