Lokalmedien setzen auf Online-Angebote

Studie - Die Fachhochschule Graubünden hat sich mit dem Wandel in der Lokalkommunikation auseinandergesetzt. Eines der Resultate: Gemeinden kommunizieren hauptsächlich mit ihrer Website und der Gemeindezeitung, um ihren Informationsauftrag zu erfüllen.

Die digitale Transformation beeinflusst auch die Lokalkommunikation. Dies birgt das Risiko von Informationslücken, Nachrichtenwüsten und einem Rückgang des persönlichen Engagements im schweizerischen Milizsystem. Vor diesem Hintergrund hat die Fachhochschule Graubünden (FHGR) im Rahmen eines Nationalfondsprojektes die Lokalmedien und die Gemeinden der Schweiz befragt. Die Resultate liegen nun vor.

Die Lokalkommunikation befindet sich in einem Strukturwandel, schreibt die FHGR in einer Mitteilung. Lokalzeitungen würden ihre Berichterstattung verknappen, da die Digitalisierung zum Rückgang der Werbegelder führe. Dies erschwere auch Gemeinden die Umsetzung ihres Informationsauftrags. Journalistische Start-ups und Dienstleister für die Gemeindekommunikation würden versuchen, dieses Informationsvakuum auszufüllen.

Es ist laut FHGR unklar, wie dieser Strukturwandel sich auf die inhaltliche Leistung der Lokalkommunikation auswirkt und welche Rahmenbedingungen eine unabhängige lokale Öffentlichkeit sowie die Erfüllung des Informationsauftrags der Gemeinden in der digitalen Welt fördern. Ein interdisziplinäres Team aus Forscherinnen und Forschern der Fachhochschule Graubünden – bestehend aus Medien-, Informations- und Gemeindespezialisten – hat die Organisationsstrukturen aller Lokalmedien und die Kommunikationsaktivitäten aller Gemeinden in der Schweiz untersucht. Hintergrund ist ein Forschungsprojekt des nationalen Forschungsprogramms «Digitale Transformation» (NFP 77) mit dem Ziel, Wissen über die Chancen, Risiken, Herausforderungen und Lösungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Schweizer Kontext zu generieren.

Klarer Trend zu vermehrten Online-Angeboten

Wie die Daten aus der Lokalmedienbefragung verdeutlichen, zeigt sich ein klarer Trend zu vermehrten Online-Angeboten, wobei Print-Angebote derzeit noch die dominierende Distributionsform sind. Textbeiträge bleiben die Grundlage der lokalen Berichterstattung, jedoch zeigt sich ein zunehmender Trend zur vermehrten Visualisierung in der Berichterstattung auch bei lokalen Medienanbietern, beispielsweise in Form von Video-Beiträgen und neuen visuellen Elementen.

Ergänzend zeigt sich, dass soziale Medienplattformen mit Fokus auf (bewegt-)bildzentrierte Inhalte wie Instagram, TikTok und YouTube stetig beliebter werden, wobei Facebook nach wie vor noch der verbreitetste Social-Media-Distributionskanal ist. Hierin verdeutlicht sich das Bestreben, jüngere Zielgruppen besser anzusprechen, wie es heisst.

Werbung ist nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle für Lokalmedien, gefolgt von Nutzungsentgelten und finanziellen Entschädigungen für die Funktion als Amtsanzeiger durch die Gemeinden. Als die grössten Herausforderungen für Lokalredaktionen werden die Refinanzierung von Medienangeboten und die Rekrutierung qualifizierter und lokal verwurzelter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesehen. Die Mehrheit der Lokalmedien ist der Meinung, dass sie auf Informationen der Gemeinden angewiesen sind. Die Gemeinden sind demnach ein wichtiger Lieferant für Inhalte der Lokalmedien.

Gemeinden setzen auf Webseiten

Die Gemeinden sind mehrheitlich der Meinung, dass sie mit ihrer Kommunikation die Bevölkerung erreichen und damit auch den gesetzlichen Informationsauftrag erfüllen. Dazu mussten sie in den vergangenen Jahren flächendeckend ihre Aufwendungen erhöhen.

Die Befragung der Gemeinden unterstreicht laut Mitteilung, dass diese die strategische Bedeutung der Kommunikation erkannt haben: mehr als 40 Prozent haben inzwischen ein spezifisches Kommunikationskonzept entwickelt. Das zentrale Kommunikationsinstrument ist die kommunale Webseite, gefolgt von der Gemeindezeitung. Gemeindeeigene Apps, Videobotschaften, Chatbots, Podcasts, aber auch digitale Partizipationsinstrumente werden dagegen selten benutzt – nicht zuletzt aus Ressourcengründen.

Die Gemeinden sind im Allgemeinen zufrieden mit der Berichterstattung der lokalen Medien. Die Einschätzungen zur Berichterstattung unterscheiden sich zum Teil zwischen Gemeinden und Lokalmedien (zum Beispiel Einfluss auf das politische Stimm-/Wahlverhalten).

Aussagekräftige Daten dank guter Rücklaufquote

Um die Schweizer Lokalmedien zu befragen, musste zunächst in aufwendiger Recherchearbeit eine Lokalmedienliste der Schweiz erstellt werden, wie die FHGR schreibt. Dies geschah mittels Desk Research, Schlagwortsuche in Suchmaschinen, Webseiten verschiedener Institutionen, Hinweise auf Plattformen der sozialen Medien sowie nachgängige Expertenbefragungen.

Daraus sei «eine in dieser Form noch nichtexistierende Liste von Lokalmedien» entstanden, welche bereits als Open Access Publikation auf SwissUbase publiziert und Interessierten zur Verfügung gestellt wurde. Die Schweizer Gemeinden und Lokalmedien wurden 2021 mit einer kleinen Nacherhebung 2022 befragt. Die guten Rücklaufquoten von 164 Lokalmedien (35 Prozent) sowie von 414 Gemeinden (19 Prozent) lassen laut FHGR stabile Ergebnisse erwarten. (pd/cbe)