Macht sich Sorgen um den "Literaturclub"

Roger Willemsen - Scheidender Moderator erhebt Vorwürfe gegen das Schweizer Fernsehen.

Roger Willemsen macht sich Sorgen um die Unabhängigkeit des "Literaturclubs" des Schweizer Fernsehens. "Sie scheint mir zumindest nicht ungefährdet" sagt der zurücktretende Moderator im Interview mit Facts. In Gefahr gerate die Unabhängigkeit, wenn die beteiligten Kritiker nicht mehr ein Buch ihrer Leidenschaft vorstellen könnten, wie es stets zu den Statuten der Sendungen gehörte. Sondern wenn man gebeten werde, ein Buch zu besprechen, an dem alle gern vorbeigegangen wären. "Wenn dieses Buch ein künstlich gemachter Schweizer Bestseller ist, den der Verlag durch die geschwindelte Angabe 'Startauflage 100'000' durchsetzen möchte, und wir anscheinend Teil dieser Kampagne werden sollen -- dann weckt das in mir ein querulantisches Aufbegehren", so Willemsen. Er spricht dabei den Roman "Melnitz" von Charles Lewinsky an, der im Literaturclub besprochen wurde, obwohl die Literaturkritiker das Buch nach Angaben von Willemsen nicht mochten.

Willemsen hält die Entscheidung von Fernsehdirektorin ingrid Deltenre, den "Literaturclub" aus der Buchhandlung Orell Füssli in Zürich zu senden für "kein wirklich gutes Zeichen". Offenbar wolle das Schweizer Fernsehen eine 15 Jahre alte , nicht sehr teure Kultursendung nicht mehr selbst finanzieren. Willemsen zeigt Verständnis für die Opposition der kleinen, gut sortierten Autorenbuchhandlungen gegen die Standortwahl des "Literaturclubs": Er könne "verstehen, dass ihnen der Werbeeffekt missfällt, den unsere Sendung nun mal hat."