"Mag20 bietet Beiträge ausserhalb des News-Mainstream"

- Am Freitag startet in sieben Schweizer Städten die neue Gratiszeitung "Mag20". Das Besondere daran: Das Magazin hat keine Redaktion. Die Leser entscheiden per Mausklick, welche zwanzig Beiträge es ins gedruckte Wochenblatt schaffen. persoenlich.com hat sich mit Gründer Markus Bucheli über das Konzept und die Finanzierung des neusten Medienprojektes unterhalten. Zum Interview:

Herr Bucheli, am Freitag lancieren Sie das Crowdsourcing-Magazin "Mag20". Was ist Ihre Vision?

Bei "Mag20" möchten wir die Bedürfnisse der Leser ins Zentrum stellen. Das neue Magazin soll einen Beitrag zu mehr Medienvielfalt leisten und eine Plattform zur vermehrten gesellschaftlichen Mitbestimmung bieten.

Haben Sie sich bei anderen Produkten wie "Readers Digest" inspirieren lassen?

Nein. Meine Inspirationsquelle waren unzählige Gespräche mit Medienexperten im In- und Ausland sowie andere innovative Konzepte, welche die technischen Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen.

Wollen Sie den übrigen Gratiszeitungen den Markt streitig machen?

Nein. Ich glaube nicht, dass ein ausschliesslich über Inserate finanziertes Magazin gleichzeitig über hochwertigen Inhalt und schwarze Zahlen verfügen kann. Wir verteilen wöchentlich 50'000 Exemplare ausschliesslich zu Promotionszwecken, um möglichst viele Leser auf unsere Plattform und unser hochwertiges Magazin aufmerksam zu machen. Wir verfolgen ein Freemium-Modell, bei dem die Leser das E-Paper kostenlos und das Post-Abo zu einem attraktiven Preis erhalten.

"Mag20" besteht aus einer Zusammenstellung von Texten, die auf Blogs bereits veröffentlicht sind. Integrieren Sie keine exklusiv verfassten Texte?

Auch exklusive Beiträge dürfen bei "Mag20" veröffentlicht werden. Wir möchten jedoch sämtlichen Autoren die Möglichkeit bieten, ihre Texte auch anderweitig zu verwerten.

Das Magazin besteht aus den 20 beliebtesten Beiträgen der Website www.mag20.ch. Wer kann alles Texte veröffentlichen?

Mag20 ist eine Crowdsourcing-Plattform. Alle können Beiträge schreiben. Um von Beginn weg über genügend Beiträge mit eine hohen Qualität zu verfügen, arbeiten wir mit rund 10 Medienpartnern zusammen. Um Gewähr für die Einhaltung der standesrechtlichen Vorgaben zu bieten, werden sämtliche eingereichten Beiträge und Kommentare durch "Mag20" laufend validiert. Dabei orientieren wir uns an unseren Autorenrichtlinien und wenden vergleichbare Validierungstechniken wie beispielsweise Storyful.com an.

Derzeit sind auf der Seite fast nur oder ausschliesslich Texte ihrer Medienpartner zu finden. Wie wollen Sie weitere Schreiberlinge dazugewinnen?

Die Website www.mag20.ch ist seit heute aufgeschaltet. Wir gehen davon aus, dass relativ schnell auch weitere Autoren die Vorteile dieser Plattform nutzen werden.

Wie ermitteln Sie die Top20? Wie ist das Voting für die erste Ausgabe verlaufen?

Die Auswahl der 20 beliebtesten Beiträge erfolgt durch unsere Leser. Diese entscheiden über Weiterempfehlungen in sozialen Medien, welche 20 Beiträge wir wöchentlich drucken. Um die Plattform starten zu können, hat das Mag20-Team für die erste Ausgabe eine Auswahl von Beiträgen zusammengestellt. Schon ab der zweiten Ausgabe wird die Auswahl vollständig leserbasiert sein.

Was für Themen decken Sie ab?

Die Themenauswahl wird durch unsere Leser bestimmt. Um die Inhalte ein wenig zu kanalisieren, bieten wir die klassische Rubriken Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Wissen an. Wir gehen davon aus, dass "Mag20" jede Woche eine interessante Auswahl an Beiträgen ausserhalb des News-Mainstreams bieten kann.

Im Heft gehören jeweils vier Seiten einem Künstler. Was ist die Idee dahinter?

Wir möchten damit Künstlern die Möglichkeit bieten, ihre Werke ausserhalb von Galerien einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und neue Auftraggeber zu finden.

Die Website ist werbefrei, die Finanzierung soll mittels Inseraten im Magazin erreicht werden. Was ist die Strategie dahinter?

Momentan sind die Printumsätze im Verhältnis zu den Onlineumsätzen immer noch relativ gross, weshalb wir während der Lancierungsphase vollständig darauf setzen. Wir möchten möglichst sofort schwarze Zahlen schreiben, damit wir schnell wachsen können und unseren Autoren eine angemessene Vergütung bieten zu können.

Wie vergüten Sie denn Ihre Autoren bis dahin?

Wir starten mit einem neuartigen Vergütungsmodell, bei dem wir unsere Autoren zu Mitunternehmern machen. Vergütet werden die Autoren von gedruckten Beiträgen mit der Einladung zu quartalsweisen "Mag20"-Events und mit 50 Prozent des Jahresgewinns. Sofern unser Start-up profitabel ist, können unsere Autoren dadurch möglicherweise sogar mehr verdienen, als in einem klassischen Medienbetrieb. Dabei ist uns Transparenz wichtig. Alle anspruchsberechtigten Autoren sind herzlich eingeladen, bei uns jeweils vor der jährlichen Auszahlung bei einem Kaffee oder einem Drink den Jahresabschluss durchzusehen.

Sie sind im Bankensektor zuhause. Bleiben Sie weiterhin dort tätig oder setzen Sie voll auf die Verleger-Karte?

Ich arbeitete rund 5 Jahre als Wirtschaftsprüfer von Banken und kümmere mich seit Anfang April 2012 zu 100 Prozent um das Magazin-Experiment "Mag20".

Interview: Corinne Bauer.